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„Die Aufgabe des Managements besteht darin, Menschen in die Lage zu versetzen, gemeinsam Leistungen zu erbringen“,[i] so dachte und schrieb es der Management-Vordenker Peter F. Drucker vor drei Jahrzehnten, also Ende des vergangenen Jahrhunderts. Er schrieb diesen Satz 1988 – in der prädigitalen Epoche, in der das gemeinsame Leisten als Team schon eine Standardherausforderung des Managements war, in der allerdings die Begriffe Network und Teamwork noch unter ganz anderen technologischen Voraussetzungen betrachtet wurden.

Vom Fußball und (offenen) Räumen

Die Zeiten in Wirtschaft und Gesellschaft haben sich geändert. Hard- und Software, digitale Ökosysteme setzen neue Infrastrukturen für das Arbeitsleben. Bleiben die Herausforderungen dieselben? Gehen wir diese Frage spielerisch an und schauen 14 Tage vor der WM kurz auf den Fußball, eine Sportart, bei der seit Jahrhunderten Menschen versuchen, innerhalb eines Regelsystems auf einem durch Linien strukturierten Feld einen Ball in ein Tor zu schießen. Was meinen die beiden Fußball-Mentaltrainer Hans-Dieter Hermann und Jan Mayer, wenn sie von der Metapher der „sozialen Architektur“ eines Teams sprechen? Gemeint ist damit die Fähigkeit eines Teams, „sein eigenes Gebäude zu bauen“ und die Rollen innerhalb dieses Gebäudes möglichst wirksam und gemäß den Kompetenzen der Teammitglieder zu verteilen.

Das gerade bei uns erscheinende Buch der Beratungsagentur Dark Horse Innovation New Workspace Playbook widmet sich der sozialen Architektur von Arbeitsräumen nicht im metaphorischen, sondern im realen Sinne. Leitbild ist auch hier das Team, das seine Arbeitsumgebungen selbst baut. Dabei handelt es sich bei diesem Standard setzenden „Praxisbuch für neues Arbeiten in neuen Räumen“ nicht um ein arbeits- und organisationspsychologisch aufgeladenes Innenarchitektur oder Design-Buch. Und eigentlich ist es auch kein klassisches Wirtschafts- oder Managementbuch. Und dennoch, ob die Dark Horses es wollen oder nicht, regt das Lesen zu Fragen nach den richtigen Management-strukturen und -stilen an (die Dark Horses verstehen Management übrigens stets in einem „posthierarchischen“ aber dennoch performanceorientierten Sinne).

Funktion und Ästhetik des Zusammenarbeitens

Welche enormen Effekte Arbeitsumgebungen auf die Ergebnisse von Arbeitsprozessen haben können, ist nichts Neues. Die Umsetzung dieser Erkenntnis ist leichter gesagt als getan. Ganz im Sinne von Drucker werden im Playbook die Aspekte des Zusammenarbeitens auf ästhetische und funktionale Umgebungen bezogen; darüber hinaus fließen Aspekte in dieses Buch, die von hoher gesellschaftlicher Relevanz sind. Denn die Dark Horses setzen bei einer grundsätzlichen These an:

„Seit den späten 90er Jahren gab es die Tendenz, immer mehr Arbeit ins Leben zu mischen. Wir brachten immer mehr Bürotätigkeiten mit in unser Zuhause. Das Homeoffice war die nächste Revolution des Arbeitslebens. Wir sitzen zu Hause in der Küche, und während der Kaffee kocht und wir den Hund kraulen, bearbeiten wir die geschäftlichen E-Mails.
Heute ist es andersherum: Wir sitzen in unserem Büro, und während wir die E-Mails bearbeiten, kocht der Kaffee und wir kraulen den Hund. Die Devise lautet nicht mehr, die Arbeit mit raus ins Leben, sondern das Leben, sondern das Leben mit rein ins Büro zu nehmen.“

Das Leben ist bunt und heterogen. Dementsprechend fallen auch die Beispiele von Arbeitsumgebungen aus, die bildhaft im Buch präsentiert werden. Die hier präsentierten „Taktiken, Strategien und Spielzüge“, sind methodisch ambitioniert und durchaus erfahrungsgesättigt. Sicherlich werden Manager*innen, die für die Fertigungsstraße eines Maschinenbauunternehmens verantwortlich sind, Abstriche machen müssen im Hinblick auf die kreativen Empfehlungen der Dark Horses. Andererseits, um mit dem weisen Peter F. Drucker zu schließen, muss jedwedes Management „das Unternehmen und jeden einzelnen Angehörigen in die Lage versetzen, sich im Gleichklang mit den sich wandelnden Erfordernissen und Möglichkeiten weiterzuentwickeln“[ii]. Die richtigen Räume und Arbeitsumgebungen dafür zu finden, das zeigt das New Workspace Playbook, sollte eine Managementaufgabe sein, die ganz oben auf der Agenda steht.

 

[i] Peter F. Drucker, Was ist Management? Berlin 2005, S. 27

[ii] Dto., S. 28