Alexander hat gemeinsam mit seiner Frau Ann Christin Mission to Marsh gegründet. Er kommt aus dem Marketing, sie ist Moorforscherin. Zusammen haben sie sich einem Anliegen verschrieben: Moore zu schützen – denn über 95% der Moore in Deutschland sind ausgetrocknet. Und die Konsequenzen für Klimaschutz und Biodiversität sind gravierend. Mit dem Moorathon, der noch bis zum 13. September läuft, haben die beiden nun ein neues Format auf die Beine gestellt: Wer mitmacht, sammelt Spenden für die Renaturierung von Mooren. Im Interview erzählt Alexander uns, warum Moorschutz gerade dringender ist denn je und wie aus einem ersten Date die Gründung der Mission to Marsh gGmbH entstand.
Ann-Christin hat dir vor ein paar Jahren einen Crashkurs zum Thema Moorgebiete gegeben. Es gibt immer noch viele Menschen, die nicht über deren Wichtigkeit Bescheid wissen. Was macht die Bedeutung von Mooren aus?
Ganz einfach: Beim Thema Moorschutz geht es um die großen Probleme unserer Zeit. Moore schützen unseren Planeten vor den großen Herausforderungen. Sie schützen uns vor Hochwasser und vor Dürren, weil sie Wasser speichern können wie ein Schwamm. Sie speichern extrem viel CO², ein Thema, was in der Klimakrise ja eine große Rolle spielt. Gleiches gilt für die Artenvielfalt. Es gibt immer weniger Insekten und Vögel. Deswegen müssen die Moore erhalten und renaturiert werden, sodass diese Tiere ein Zuhause haben.
Wenn man dieser Tage in die Nachrichten blickt, springt ein weiterer Aspekt ins Auge: Nasse Morre brennen nicht. Wenn ein Waldbrand also auf ein nasses Moorgebiet trifft, ist dort Schluss. Und die Weltbrände, die schon dieses Jahr extrem sind, nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika , werden immer schlimmer werden. Auch vor diesem Hintergrund ist Moorschutz so unglaublich wichtig. Mit dem Moorathon haben wir ein praktisches Vehikel gefunden, weil die Menschen, die gerade frustriert sind und Angst haben, mit ihrer Bewegung für sich etwas Gutes tun können. Sport hilft immer bei der Resilienz. Gleichzeitig tun sie etwas Gutes für den Planeten und haben dabei auch noch Spaß.

Co-Founderin und Moorforscherin: Ann-Christin Kornelsen / © Mission to Marsh gGmbH
Du bist vor ein paar Tagen einen Halbmarathon mit dem Kinderwagen gelaufen. Seid ihr momentan jeden Tag aktiv beim Moorathon?
Wir haben zwei kleine Kinder im Alter von einem und zwei Jahren. Das heißt, dass wir die Kinder bei jeglichen Aktivitäten mitdenken müssen. Entweder wir gehen sehr viel spazieren oder ich versuche, mit dem Kinderwagen Laufen zu gehen. In der App selber werden die Läufe dann angezeigt. Es gibt auch einen Feed, in dem man posten kann, was man gerade gemacht hat, und in dem man sieht, was die anderen machen. Es lohnt sich auf jeden Fall, dort vorbeizuschauen, weil wir dort auch viel zum Thema Moore posten. Warum eigentlich Moore? Warum heißt es Moorathon? Warum speichern Moore CO₂?
Lass uns noch einmal kurz auf die besondere Gründungsgeschichte eingehen. Warum hat es bei euch beiden so gut gepasst, gemeinsam diese Mission zu starten?
Ich habe im Marketing gearbeitet und war mit meinem Job unzufrieden. Ich habe Dinge verkauft, die Menschen nicht brauchten. Zu dieser Zeit war die Klimakrise schon akut. Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum tun wir nichts? Warum stellen wir uns den großen Problemen nicht? Das hat mich wirklich in ein tiefes Loch gestürzt. Ich habe angefangen, mich einzulesen und zu recherchieren, welche Möglichkeiten es gibt und wie Marketing Gutes bewirken kann. Es gibt bereits Beispiele dafür. Ich wusste nur nicht, für welches Thema. Dann hat mir das Schicksal geholfen. Beim ersten Date mit meiner Frau hat sie mir erzählt, was sie als Moorforscherin macht und welche Aufgaben sie hat. Ich war ganz fasziniert, denn obwohl ich mich schon eingelesen hatte, wusste ich trotzdem fast nichts über Moore. So haben wir relativ schnell beschlossen, gemeinsam etwas zu starten.

Moorforscherin und Marketing-Profi: Ann-Christin und Alexander Kornelsen gründeten gemeinsam Mission to Marsh / © Mission to Marsh gGmbH
Welche Projekte sind geplant und ab wann würdet ihr expandieren?
Wir haben aktuell ein Projekt im Spreewald, das durch den Moorathon finanziert wird. Wir sind gerade deutschlandweit im Streuen. Wir haben aber auch ein Testprojekt in Chile, um zu sehen, wie es in einem ganz anderen Umfeld funktioniert. Das heißt, es ist eher eine kleinere Initiative, aber wo wir hingehen, spielt für uns per se keine Rolle. Wir gehen dorthin, wo unsere Kunden hingehen. Unsere Kunden sind Unternehmen. Wenn eine französische Firma auf uns zukommen und sagen würde, sie hätte gerne ein Moor-Projekt, dann würden wir in Frankreich suchen. Wir sind extrem stark vernetzt. Im Prinzip kennen wir alle wichtigen Organisationen weltweit. Wir bieten sozusagen als Dienstleister Moor-Projekte an, und wir merken, dass das gerne angenommen wird.
Im Jahr 2021 hast du 100 Bücher gelesen, die meisten davon zum Thema Klimaschutz. Gibt es eine Geschichte, die dich besonders motiviert hat?
Ich müsste mal nachschauen, welche Bücher aus dem Murmann Verlag dabei gewesen sind. Ich glaube, das Buch „Deutschland, Startup!“ von Andreas Nöting war dabei. Auch das von Verena Pausder. Ich liebe Bücher, die leicht biografisch sind. Es geht mir nicht um die persönliche Geschichte, sondern eher darum, wie diese Menschen auf die Idee gekommen sind, etwas aufzubauen. Wie sind sie durch schwierige Zeiten gegangen und wie haben sie die Kraft gefunden, weiterzumachen? Diese Geschichten motivieren mich, weil man hört, wie sie damit umgegangen sind. Das 100. Buch war das Buch vom Nike Gründer, das ich am 31.12. beendet habe.
Am Ende war mein Lieblingsbuch „No Destination” von einem indischen Autor, Satish Kumar. Er hatte sich dazu entschieden, zu Fuß von Indien nach Westeuropa zu wandern. Ohne Geld. Es ist einfach atemberaubend, weil es eine wahre Geschichte ist. Man erfährt, wie er durch dick und dünn gegangen ist, was er erlebt hat, welche Menschen er kennengelernt hat und wie er am Ende tatsächlich positive Nachrichten in die Welt gebracht hat. Das hat mir sehr viel gegeben. Diese Person habe ich auch dieses Jahr auf einer Konferenz getroffen. Ich habe mir das Buch von ihm signieren lassen. Er ist zwar schon sehr alt, aber er freut sich natürlich, wenn jemand aus Deutschland zu ihm sagt: „Dein Buch hat mich inspiriert, im Bereich Nachhaltigkeit etwas aufzubauen.“
Foto: © Mission to Marsh gGmbH



