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Die Brandschutztür aus Sicherheitsglas, die das Treppenhaus und die Office-Fläche trennt, schwingt auf und wir stehen in einem langen Flur mit taubenblauem Teppich. Die 20 bis 30 Türen rechts und links des Flurs sind fest geschlossen, kein Mucks ist zu hören, ganz so, als gäbe es die Menschen in kleinen Büroräumen dahinter gar nicht. Hier wird in Ruhe gearbeitet – und in Isolation.

Open Space Büros haben für Unternehmen Vorteile

Diese Szenerie ist inzwischen der Büro-Albtraum vieler Unternehmenslenker, Personaler und allen, die sich eine Kultur des Austausches, der Zusammenarbeit, des gegenseitigen Kennens und Vertrauens im Büro wünschen. Der Gegenentwurf zu dieser Arbeit heißt Open Space oder Open Office. Das Arbeiten im offenen Office ist en vouge wie nie, sicherlich auch, weil viele Unternehmen heute schneller wachsen und häufiger umstrukturieren als noch vor 20 Jahren – und das Office ohne Wände das ständige Umsetzen von Wänden obsolet macht. Außerdem sind offene Bürokonzepte viel flächeneffizienter als die langen Flure mit Türen, was bei der heutigen Wichtigkeit einer zentralen Lage des Unternehmens und den damit verbundenen Mietpreisen auch ein starkes Argument ist. 

Aber auch in den Augen vieler Mitarbeiter, also den Nutzern der Büroflächen, hat das Open Office seinen Charme: Andere Menschen zu sehen, mit ihnen zu reden und sie zu hören sind zutiefst menschliche Bedürfnisse, denen das Open Office gerecht wird – sie ermöglichen es, sich als Teil von etwas Größerem zu fühlen. Das von (US-amerikanischen) Startups geprägte Bild eines „coolen“ Arbeitsalltages, welches vor allem auch auf jüngere Mitarbeiter sehr anziehend wirkt, funktioniert nicht im eingangs beschriebenen Bild des toten Flures mit geschlossenen Türen.

Open Office, nur eine laute Legebatterie?

Selbstverständlich hat das Open-Office-Konzept auch seine Probleme: Legebatterie-Feeling, keine Privatsphäre, Ablenkung. Das will niemand. Und was wir noch weniger wollen: Lärm! Das ist das große Problem des Open Offices: Es ist zu laut

Wir können aber auch argumentieren: Es ist zu leise! Eine steile These, in die wir kurz reinschauen wollen: In der Angst, unser Open Office würde zu laut, investieren wir heute viel in schallschluckende Absorber. Wir hängen und stellen sie an Orte, an dem Schall auch nur reflektiert werden könnte. Daraus resultiert ein Büro, in dem Nachhall reduziert ist und absolute Stille herrscht. Was dazu führt, dass jedes Wort, jeder Klick und jeder Tastaturtipper leise, aber sehr präzise wahrgenommen werden kann. Wir verstehen jedes gesprochene Wort aus mehreren Metern Entfernung. Leise, aber klar abgegrenzt von der Stille.

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Und diese Laustärkespitzen lenken uns erwiesenermaßen viel mehr ab, als ein eher gleichmäßiger Lärmpegel, der einzelne Impulse maskiert, vergleichbar mit einem größeren Café oder einer Kantine. An diesen Geräuschteppich können wir uns schnell gewöhnen, viele empfinden ihn sogar als angenehm. Nicht umsonst ist das Café der beliebteste Arbeitsort vieler Schriftsteller. In diesem Grundrauschen fallen die 20 Meter entfernten Kollegen nicht auf, wir verstehen kein Wort, und wir können uns besser konzentrieren. Und wenn wir es wirklich ganz ruhig und auch ohne „Lautstärke-Peaks“ haben wollen, helfen die Tools aus unserem „New Workspace Playbook“ weiter; denn mit Denkerzellen, Kopfhörern und einer eigenen „Bibliothek“ lassen sich Orte der Stillarbeit trotz Open Space Office schaffen. 

Im offenen Büro gilt: Je weniger Wände, desto besser

Dieses Grundrauschen im Open Office wird zudem angenehmer, je mehr Geräusche zusammenkommen. In einem Raum mit vier bis acht Personen zum Beispiel herrscht ein zu geringer Pegel, hier lenken wir uns gegenseitig ab. Das sieht mit 30 bis 40 Kollegen schon anders aus. Also: Je weniger Wände, desto besser!

Diese Empfehlung kollidiert natürlich sehr mit unserem Wunsch nach Privatsphäre und wenig Ablenkung. Ständig 40 Kollegen im Blickfeld zu haben ist anstrengend. Deswegen prognostizieren wir halboffenen raumtrennenden Strukturen eine große Zukunft. Die Offenheit dieser Strukturen schafft das angesprochene Grundrauschen und sorgt für eine gewisse Luftigkeit und Helligkeit, und trotzdem lassen sich Ecken und Nischen schaffen, die jedem Team das Gefühl geben, „etwas um sich herum“ zu haben und nicht verloren auf einer großen Fläche zu sitzen. 

Und wenn Wachstum oder eine Umstrukturierung ansteht, lassen sich die Baukasten-Konzepte ganz einfach umkonfigurieren, umstellen oder umziehen: Das von uns mitentwickelte Supergrid zum Beispiel ist eine 2,30 Meter hohe Gitterstruktur aus weißen Metallstreben. Die Konstruktion kann frei im Raum stehen und mithilfe eines speziellen Schraubenschlüssels verkleinert, vergrößert sowie auf- und abgebaut werden. Außerdem können verschiedenste Elemente in die Gitterstruktur montiert werden: Whiteboards, Monitore, Kühlschränke, Dialog-Nischen, Stauraum oder Stehtische. So werden viele Dinge, die im Alltag benötigt werden, und normalerweise „in der Gegend herumstehen“ in eine Struktur integriert – und somit gleichzeitig zur Raumtrennung genutzt. Das macht viele Wände und Räume obsolet und hilft so einen gleichmäßigen Geräuschteppich zu „weben“, der nach zwei bis drei Tagen Eingewöhnungszeit die viel angenehmere Kulisse ist als ein totgedämpfter Open Space. 

Und: Tatsächlich kann man sich in einem solchen Geräuschteppich auch wieder miteinander unterhalten, ohne Angst haben zu müssen, alle zehn Kollegen um einen herum zu stören… und das war ja eigentlich das Hauptargument für einen Open Space!

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