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Unter dem Motto „Lebe lieber ungewöhnlich“ geht es mit dem Regiedebüt von Xaver Böhm durch eine „Beautiful Night“, mit Hank Green nach New York und die Violinistin Zhi-Jong Wang reist mit uns nach China.

Mit dem Tod durch die Nacht

Juri ist jung, hat ein Faible fürs Waldhornblasen und panische Angst vor dem Tod. Da ist es nicht gut, wenn man davon träumt, wie einem ein Rabe das Herz aus dem Leib rupft. Noch weniger erbaulich ist es, wenn man dann anschließend in einer menschenleeren Spielhalle auf einen tätowierten, kettenrauchenden Mann trifft, der einem mit slowenischem Akzent erklärt, er sei der Tod. Nichtsdestotrotz ziehen die beiden Männer durch ein menschenleeres nächtliches Berlin. In einer Peepshow treffen sie Nina und um Juri ist es geschehen.
In seinem Filmdebüt zaubert Regisseur Xaver Böhm eine Mischung aus Comic, Renaissance-Stilleben und Traumwelt mit Sogwirkung auf die Leinwand. Wie durch einen Traum gleitet das Trio aus Tod, Mädchen und Juri durch die Nacht, trifft auf Hexen, Frauen mit dem zweiten Gesicht und einen Kronenkranich – die Reinkarnation eines toten Mädchens. Mystisch und märchenhaft ist der Film und man kann sich schwer entscheiden, was am meisten fasziniert: die Farben, das Setting oder die skurrile Geschichte.

O Beautiful Night
seit dem 20. Juni im Kino

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Auf der Jagd nach der spektakulärsten Nachricht

Nicht weniger kurios, aber weitaus rasanter inszeniert der amerikanische Internetunternehmer Hank Green seinen ersten Roman. „Ein wirklich erstaunliches Ding“ ist dieser New York Carl, den April May und ihr Freund Andy eines Nachts in Manhattan entdecken. Ihr spontan gedrehtes YouTube Video entwickelt sich zum Renner, zumal diese „Carls“ überall auf der Welt auftauchen. Doch irdischen Ursprungs scheinen sie nicht zu sein. Und während plötzlich die Menschen alle denselben Traum haben, in dem sie gemeinsam Rätsel lösen müssen, finden verschlüsselte Nachrichten ihren Weg über manipulierte Wikipedia-Einträge. Ist Carl ein Außerirdischer? Hank Green kennt die Medienszene wie seine Westentasche und weiß, worauf es ankommt.  Ob viral im Internet oder klassisch übers Fernsehen, die Jagd nach der besten Story hat begonnen. Rasant inszeniert der Autor ein Spektakel, in dem jeder ein Star sein möchte. Als Leser begibt man sich gern in diesen packenden, abgedrehten Irrsinn, den Hank Green dann auch stilvoll amerikanisch, mit Action, Krawumm und einer moralischen Botschaft zu Ende bringt.

Hank Green
Ein wirklich erstaunliches Ding
a.d. amerikanischen Englisch v. Katarina Ganslandt
bold (dtv Verlagsgesellschaft), München 2019

Flug in fernöstliche Sphären mit den „Butterfly Lovers“

Wer sich nicht scheut, auf musikalische Entdeckungstour zu gehen, ist bei dem aktuellen Album von Zhi-Jong Wang gut aufgehoben. Gemeinsam mit dem Tokyo Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Yang Yang präsentiert uns die Violinistin ein wunderschönes Album mit einem Klassiker der chinesischen Kompositionen, den „Butterfly Lovers“. Entstanden  in den fünfziger Jahren, vereint das Stück die Zerreißprobe zwischen Kulturrevolution und westlichen Einflüssen. Immer wieder schimmert die europäische Klassik durch, nur, um im nächsten Moment den Hörer in fernöstliche Sphären zu entführen. Ein Stück, das nicht nur durch den Zeitpunkt seines Entstehens bewegt. Vollendet wird das Album durch die eindringliche Komposition „The Psalms of Taciturnity“, in dem man musikalisch in eine sprachlose Gefühlswelt eintaucht. Für alle, die das Ungewöhnliche lieben, ist diese CD höchst empfehlenswert.

Zhi-Jong Wang
Tokyo Philharmonic Orchestra /Yang Yang
Shen Ye: The Psalms of Taciturnity (Violin Concerto No. 1)
He Zhanhao / Chen Gang: The Butterfly Lovers
Violin Concerto

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