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Der Countdown läuft, am 26. Mai die Wahl zum Europäischen Parlament – kurz: Europawahl. Als Wechselwählerin entscheide ich vor jeder Wahl neu, wem ich meine Stimme gebe, sodass mir die Beschäftigung mit den zentralen Themen und den Ansichten der Parteien angebracht scheint. Aber habe ich wirklich Lust, die Wahlprogramme aller sich zur Wahl stellenden Parteien zu lesen? Nein. Deshalb soll der Wahlswiper mir eine Orientierung bieten und die zu mir passende Partei herausfinden. Wird schon eine werden, die ich kenne, denke ich. Doch so viel sei vorweggenommen: Mein erster Platz hat mich ziemlich überrascht.

Die ersten Schritte mit dem Wahlswiper

Bevor ich jedoch erfahre, wer mein Parteien-Match bei der Europawahl sein wird, muss ich mir die Tinder-inspirierte App auf mein Smartphone herunterladen. Ein besonderer Reiz des Wahlswipers zur Europawahl ist die Möglichkeit, die Fragen aus der Perspektive verschiedener Länder zu beantworten. Für jedes Land sind einige regionale Fragen enthalten und die Abstimmung wird mit den Parteien des jeweiligen Landes verglichen. Zwar bin ich neugierig zu erfahren, welche Partei ich in Finnland oder Italien in die Europawahl schicken könnte, doch ich möchte zunächst meine deutschen Möglichkeiten entdecken. Also Land und Wahl entsprechend ausgewählt und schon kann ich loslegen.

Swipen, überspringen, doppelt gewichten

35 Fragen sind es insgesamt, die mir auf dem Weg zu meinem Parteien-Match zur Europawahl 2019 gestellt werden. Mit einem Swipe nach rechts bekunde ich Zustimmung, mit links erkläre ich meine Ablehnung gegenüber dem Thema. Sollte mir persönlich eine Frage besonders wichtig sein, kann ich sie doppelt gewichten. Wenn ich überhaupt keine Meinung habe, kann ich die Frage überspringen. Schon vor der allerersten Frage sticht mir der Countdown bis zur Europawahl ins Auge, der die Zeit bis zur Wahl herunterzählt. Geschickt eingefädelt von den Machern, denke ich, denn so scheint die Wahl näher, was wiederum anspornt, am Wahltag auch tatsächlich zur Urne zu gehen oder vorher Briefwahl zu beantragen.

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Der Wahlswiper bringt mich schon bei Frage 1 in die Bredouille

Es geht los mit der Frage nach einem Eurozonenbudget und einem gemeinsamen europäischen Finanzminister. Hm, gar nicht so einfach. Im Vorfeld war ich überzeugt, zu einigen Europathemen schon Wissen und eine Meinung zu haben, aber die Frage trifft eine meiner Schwächen genau: mich entscheiden. Nach etwas Bedenkzeit wische ich nach rechts. Ist doch gar keine schlechte Idee. Bei den folgenden Fragen merke ich deutlich, wie unterschiedlich meine Passion bei den Antworten ist. Manchmal weiß ich direkt, wie mein eigener Standpunkt aussieht und entscheide mich schnell, bei anderen Fragen wiederum tue ich mich schwer mit der Antwort. Sollte die EU beispielsweise eigene Steuern erheben können? Sicher gibt es Argumente, die dafürsprechen, aber welcher junge Arbeitnehmer möchte weiteren Steuern zustimmen?

Ja oder Nein? Der Wahlswiper will die Entscheidung

Die Frage nach den Steuern ist ein Beispiel für die Schwierigkeit, Fragen tatsächlich nur mit Ja oder Nein beantworten zu dürfen. Bei der Frage, ob die EU ihre Zahlungen für Agrarpolitik zugunsten anderer Politikbereiche kürzen soll, habe ich den Eindruck, dass ich viel zu schlecht informiert bin, um die Frage sinnvoll beantworten zu können. Zugunsten welcher anderen Politikbereiche denn? Wie umfangreich sollen die Kürzungen sein? Und braucht die Landwirtschaft nicht eher finanzielle Unterstützung als Kürzungen? Keine Ahnung, ich überspringe die Frage. Hier würden mir Hintergründe helfen, die der Wahlswiper – so erklärte mir im Vorfeld Projektleiter Matthias Bannert – bei vielen Landtagswahlen mit kurzen Videos bietet. Dem Wahlswiper zur Europawahl fehlt diese Hilfe jedoch leider, weshalb ich kurz überlege, mich Frage für Frage durch eine kurze Recherche selbst zu informieren. Ich entscheide mich dann aber dagegen, da ich vermute, dass die Mehrheit der anderen Nutzer das auch nicht tun wird. Weiter geht’s also. Ich merke schnell: Bei allen Fragen, die sich mit der Demokratie und Legitimität in der EU beschäftigen, bin ich deutlich leidenschaftlicher und swipe weiter vor mich hin – bis die 35 Fragen plötzlich alle beantwortet sind.

And the winner is… keine der großen Parteien

Jetzt wird es spannend: Mit welcher Partei habe ich die höchste Übereinstimmung? Ich lasse meine Antworten mit allen verfügbaren Parteien vergleichen. Ja, allen. Denn einer der Vorteile des Wahlswipers ist es, dass alle antretenden Parteien angefragt werden und die meisten von ihnen auch teilnehmen. So lernt man auch die Positionen von weniger bekannten Parteien kennen – von denen eine prompt mein Europawahl-Favorit sein soll: Zu knapp 69 Prozent stimmen meine Ansichten mit denen der Partei „Demokratie in Europa” überein. Etwas peinlich, dass ich mich noch nie aktiv mit dieser Partei beschäftigt habe. Das könnte sich jetzt ändern, denn ich kann mir zu jeder Frage die Übereinstimmungen und Abweichungen der Partei zu meinen Antworten ansehen, die Begründung der Partei für die gewählte Antwort lesen und mich außerdem zu ihrem Wahlprogramm weiterleiten lassen. Dabei fällt mir zum Beispiel auf, dass „Demokratie in Europa” als langfristiges Ziel einen föderalen Bundesstaat der Europäischen Union im Kopf hat, ich jedoch eher gegen diese Vision bin. Um mich zu entscheiden, wen ich wähle, muss ich mir bei solchen Abweichungen überlegen, wie wichtig mir die Themen sind.

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Die Wahlentscheidung liegt im Detail

Auf Platz 2 meiner Match-Liste ist „Die PARTEI” gelandet. Okay, das kann ich leider für meine persönliche Entscheidung nicht ganz ernst nehmen. Dann schon eher Nummer 3, mit 60 Prozent Übereinstimmung immerhin auch noch recht dicht an meinen Antworten: „Die Grünen“. Darauf folgen gleich sieben verschiedene Parteien, die die exakt gleiche Übereinstimmungsrate von etwa 54 Prozent haben. So viele gleiche Matches erschweren für mich als Nutzer die Entscheidung, denn ich muss zugeben, dass ich mir wohl nicht im Detail die Antworten von so vielen verschiedenen Parteien ansehen werde. Höchstens werde ich wohl bei den ersten drei und solchen, bei denen ich neugierig auf die Übereinstimmung bin, noch genauer in die detaillierten Antworten schauen. Allerdings werde ich dazu inspiriert, mich auch mit mir weniger bekannten Parteien zumindest grob auseinanderzusetzen und so mein mentales Spektrum an möglicherweise wählbaren Parteien zu erweitern.

Als Fazit bleiben Spaß am Swipen, ein grober Überblick über die für die Europawahl relevanten Themen, ein wenig Enttäuschung über die fehlenden Hintergrundinfos innerhalb der App, Überraschung über das Ergebnis meiner Abstimmung und Neugier auf die Positionen kleinerer Parteien. Keine schlechte Ausbeute für gerade einmal fünf bis zehn Minuten investierte Zeit. Welche Partei ich nun wähle werde? Da bin ich mir noch nicht ganz sicher, habe aber für die Europawahl am 26. Mai dank des Wahlswipers immerhin eine grobe Tendenz.

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