Die Kulturtipps im März erzählen vom Abschiednehmen und Ankommen, vom Wiederentdecken und vom Aufbruch in eine neue Zeit.
Abschied von der „Kolle“ – Theater o.N. zieht in die Fröbelkapelle
Ein letzter Vorhang, der nach Holz riecht und nach Geschichten klingt: Wenn das „Theater o.N. seine angestammten Räume in der Kollwitzstraße“ verlässt, verabschiedet sich Berlin von einem Ort, an dem Ensemblegeist buchstäblich in den Dielen steckt. Spielerin der ersten Stunde Uta Lindner spricht von „Geistern“, von vertrauter Dunkelheit und dem Knarren, das sich wie eine körperliche Erinnerung anfühlt. Hier wurden große Ensembleproduktionen wie „Reinicke Fuchs“ oder „Nichts als die Wahrheit“ zum prägenden Erfahrungsschatz einer freien Bühne, die ihren eigenen Ton gefunden hat. Für den Abschied hat das Leitungsteam um Vera Strobel und Dagmar Domrös einen Spielplan entworfen, der das ganze Spektrum zeigt: poetische Theatermomente für die Jüngsten ab zwei Jahren, Stücke für Kinder ab fünf, Kult-Inszenierungen für Erwachsene, Filmabende und als Höhepunkt ein Liederabend, in dem das Ensemble 30 Jahre Kollwitzstraße singend Revue passieren lässt. Wehmut, Dankbarkeit, Neugier und Vorfreude schwingen gleichzeitig mit – denn in der Fröbelkapelle wartet ein freistehendes Haus mit achteckigem Bühnenraum, moderner Technik und erstmals barrierefreiem Zugang. Was bleibt, ist der unverwechselbare Ensemblegeist, der neugierig in die Zukunft aufbricht und das Publikum mitnimmt – vom Kollwitzkiez hinüber in einen neuen, offenen Theaterraum für Kinder, Familien und treue Weggefährten.
Theater o.N.
Abschiedsvorstellungen:
Kollwitzstraße 53
10405 Berlin
Premieren:
Fröbelkapelle
Fröbelstraße 17, 10405 Berlin
„Meine Hallig Hooge“: Lesen, als stünde man im Nordseewind
Zwischen Ebbe und Flut, Gänserufen und weitem Himmel schreibt Jan Keith seine Liebeserklärung an einen Ort, der mehr ist als ein Postkartenmotiv: „Meine Hallig Hooge“ versammelt 37 Kolumnen, die aus Beobachtungen Geschichten machen. Der Autor kehrt als Journalist dorthin zurück, wo er als Kölner Musikschüler zwischen seinem 10. und 17. Lebensjahr Herbstferien verbracht hat – und spürt nach, wie viel Leben in einem scheinbar abgelegenen Flecken Wattenmeer steckt. Keiths Texte entstanden zwischen 2018 und 2024 für die Zeitschrift mare. Jede Episode widmet sich einem eigenen Thema: der Liebe, dem Kino, den Zugezogenen, der Frage, warum die Hooger lieber nicht in der Nordsee baden. Mit leichter Hand und genauer Wahrnehmung zeichnet er Porträts der Inselbewohner, ohne sie zu romantisieren. Statt Hallig-Kitsch gibt es Empathie, Humor und ein feines Gespür für die raue Schönheit des Alltags zwischen Sturmflutwarnung und Dorffest. „Meine Hallig Hooge“ ist ein literarischer Reisebegleiter für alle, die Meer, Weite und Menschen mögen, die mit wenigen Worten viel erzählen.
Jan Keith
Meine Hallig Hooge
mare Verlag, Hamburg 2025
Licht, Stadt, Moderne: Max Liebermann im Museum Barberini
Mit der Ausstellung „Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ zeichnet das Museum Barberini in Potsdam nach, wie eine neue Malerei zwischen 1870 und 1930 ihren Weg in ein Kaiserreich fand, das an Traditionen hing – und sie schließlich veränderte. Direktorin Ortrud Westheider beschreibt die Schau als bislang größte Übersicht zu diesem Thema: Über Jahre vorbereitet, vereint sie Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen, darunter ikonische Bilder, die sonst kaum reisen. Im Zentrum steht Max Liebermann, der sich souverän über die engen Vorgaben der kaiserlichen Kunstpolitik hinwegsetzte. Als Präsident der Berliner Sezession und der Preußischen Akademie der Künste trieb er die Internationalisierung des Kunstbetriebs voran, sammelte früh französischen Impressionismus und beriet den Nationalgalerie-Direktor Hugo von Tschudi bei Ankäufen. Dass man ihn in Deutschland als „Maler der Gosse“ schmähte, weil er Netzflickerinnen und Dünen in Erdfarben malte, beantwortete er mit unbeirrter Konsequenz. Die Ausstellung verfolgt thematisch und chronologisch den Weg vom Naturalismus über die Freilichtmalerei in Berlin, München, Dresden, Karlsruhe und Lübeck bis an die Schwelle zum Expressionismus. Neben Liebermann treten Künstlerinnen wie Sabine Lepsius und Maria Slavona hervor, deren Porträts und farbstarke Stillleben ein lebendiges, diverses Bild des deutschen Impressionismus zeichnen.
Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland
28. Februar – 7. Juni 2026
Museum Barberini
Humboldtstraße 5-6
14467 Potsdam
Foto: Pexels



