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In den kleinen Straßen von Gràcia wirkt Barcelona anders als wenige Metrostationen weiter im Zentrum.  Zwischen Cafés, Balkonen und kleinen Läden liegt „A Romance Court“, eine Buchhandlung, die schon im Namen verrät, worum es hier geht: um Geschichten, Gefühle und Menschen, die beides teilen wollen. Gloria, die im Laden arbeitet, sagt mit einem Lächeln, sie hätten ausgerechnet eines der wenigen nicht ganz so schönen Gebäude in Gràcia erwischt – doch der kleine Laden macht aus dieser unscheinbaren Fassade etwas Besonderes. 

Der Laden ist klein, doch schon der Raum zeigt, dass Buchhandlungen heute mehr sein können als Orte, an denen Bücher verkauft werden. In seiner Mitte steht ein großer Holztisch. Um ihn herum finden die Events statt: hier wird gesprochen, empfohlen und diskutiert. An den Regalen stehen Romance-, New-Adult- und Fantasytitel, an der Glastür kleben kleine Herzen, Kerzen und Bilder. A Romance Court wirkt weniger wie ein Laden, der nur Bücher verkauft, sondern wie ein Ort, an dem aus Leseleidenschaft Gemeinschaft wird. 

Um zu verstehen, wie dieser Ort funktioniert, haben wir mit der Gründerin von A Romance Court gesprochen. Über Events, Community, junge Leserinnen und Leser. Über BookTok und die Frage, warum Menschen noch in eine Buchhandlung gehen, wenn sie Bücher längst online entdecken und bestellen können. Und über die Frage, ob diese Dynamik nur Romance und Fantasy trägt – oder ob auch andere Genres, etwa Sachbücher, eigene Formen von Gemeinschaft finden können. 

Wann wurde Ihnen klar, dass „A Romance Court“ nicht nur eine Buchhandlung sein würde, sondern auch ein Ort, an dem Menschen Verbindung und Gemeinschaft suchen? 

Micaela LindaWir haben eigentlich vor fast zwei Jahren als Gemeinschaft begonnen, noch bevor wir überhaupt eine Buchhandlung wurden. Nachdem wir mehrere Veranstaltungen in der ganzen Stadt organisiert hatten, wurde uns klar, wie sehr sich die Menschen nach Orten sehnten, an denen sie durch Bücher und gemeinsame Interessen miteinander in Kontakt treten konnten. Wir dachten immer wieder darüber nach, wie wunderbar es wäre, einen festen Ort für diese Zusammenkünfte zu haben. In Verbindung mit der Tatsache, dass Barcelona wirklich eine eigene Buchhandlung für Liebesromane brauchte, wurde aus dieser Idee schließlich „A Romance Court“. 

Was glauben Sie, warum junge Leserinnen und Leser auch heute noch persönlich zu „A Romance Court“ kommen möchten? 

Micaela LindaIch glaube, dass es gerade jetzt einen echten Bedarf an zwischenmenschlichen Beziehungen gibt. Wir haben hart daran gearbeitet, einen sicheren und einladenden Ort zu schaffen, an dem sich die Menschen wohlfühlen, sie selbst sein können und das teilen können, was sie lieben. Über den reinen Kauf von Büchern hinaus wünschen sich die Leser Gespräche, Empfehlungen und das Erlebnis, gemeinsam Geschichten zu entdecken. Sie genießen es auch, Autoren zu treffen, Veranstaltungen zu besuchen, Bücher signieren zu lassen und Freundschaften mit Menschen zu schließen, die ihre Interessen teilen. 

Glauben Sie, dass Sachbücher jemals eine ähnliche Gemeinschaft aufbauen könnten? Falls Sachbücher ein anderes Modell benötigen, wie könnte eine Buchhandlung Ihrer Meinung nach in der Praxis dazu beitragen, eine solche Gemeinschaft zu schaffen? 

Micaela LindaAuf jeden Fall – Sachbücher schaffen bereits sehr starke Gemeinschaften, nur auf eine andere Art und Weise. Viele berufliche und intellektuelle Gemeinschaften versammeln sich bereits online um Sachbuchthemen, insbesondere auf Plattformen wie LinkedIn. Was den Menschen unserer Meinung nach fehlte, besonders in schwierigen Zeiten, war ein Gefühl der Flucht aus dem Alltag und eine emotionale Verbindung, die Liebesromane und Fantasy-Literatur auf natürliche Weise bieten. Aber auch Sachbuchhandlungen können durch Vorträge, Workshops, Diskussionsrunden, Networking-Veranstaltungen und Räume, in denen Menschen Ideen und Erfahrungen persönlich austauschen können, durchaus eine Gemeinschaft schaffen.

Bücherstand von „A Romance Court“ an Sant Jordi

Sant Jordi wird jedes Jahr am 23. April in Katalonien gefeiert und gilt dort als besonderer Tag für Literatur und Liebe. Traditionell schenken sich Menschen Bücher und Rosen: überall entstehen Stände auf den Straßen, an denen gelesen, verkauft und gefeiert wird. Für „A Romance Court“ war es in diesem Jahr das erste Mal, mit einem eigenen Stand dabei zu sein.

Zum Abschluss noch ein Blick auf Sant Jordi. Was bedeutet Sant Jordi für Sie und für „A Romance Court“? Wie haben Sie den Tag und Ihren Stand in diesem Jahr erlebt?

Micaela LindaSant Jordi bedeutet uns sehr viel. Es war nicht nur das erste Mal, dass wir ihn als Buchhandlung gefeiert haben, sondern es ist auch eine Tradition, die Bücher, Liebe und Mut angesichts von Widrigkeiten auf wunderschöne Weise vereint – was sich für uns ehrlich gesagt sehr nach „Romantasy“ anfühlt. Dieses Jahr hat uns völlig umgehauen. Unsere gesamte Gemeinschaft ist gekommen, um uns zu unterstützen. Freunde, die wir im Laufe der Zeit gewonnen haben, halfen uns am Stand und im Laden, und den ganzen Tag über spürten wir unglaublich viel Liebe und Unterstützung. 

 

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