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„Ich sehe im Geschäft erst in zweiter Linie ein Geldwert-Objekt, es ist für mich ein Reich, welches ich gegründet habe und welches ich meinen Nachkommen ungeschmälert überlassen möchte, um in ihm weiter zu schaffen“. Diese Sätze aus einem Brief von Werner von Siemens an seinen Bruder Carl aus dem Jahre 1887 dokumentieren den Anspruch eines Gründers etwas Langlebiges hinzustellen, ein Werk, das Jahrzehnte und Jahrhunderte, Krisen, Kriege und Höhenflüge durchlebt. 1847 als Start-up in einem Berliner Hinterhof gegründet, ist der Siemens Konzern heute ein globales Stay-up, das mit seinen Produkten und Dienstleistungen in vielen unserer Lebensbereiche präsent ist. Was sind die Gründe für diesen Erfolg? Der neue Band „Zukunft gestalten – Die Siemens Unternehmer 1847-2018“ wagt explizit die These, dass die Führungspersönlichkeiten an der Spitze eines Unternehmens den Unterschied machen können, nicht als Alleinherrscher, sondern als Vorbild, Impuls- und Ideengeber mit „Entschlossenheit, Mut, Tatkraft, Zielstrebigkeit, Augenmaß und vor allem das Vertrauen in das eigene Handeln und die eigenen Entscheidungen“. Indem diese persönlichen Wertvorstellungen, die sich bei allen 13 Siemens-Chefs der letzten 170 Jahre wiederfinden, in der einen oder anderen Form auf die Unternehmensebene übergegangen sind, lässt sich eine Parallelität von Führungskultur und Unternehmenserfolg anhand der Biografien von Werner von Siemens bis Joe Kaeser plausibel nacherzählen.

Warum hat Siemens es geschafft hat, aber Firmen und Marken wie die AEG, Telefunken oder Nordmende nicht? Davon handelt das neue Buch von Oliver Greiner Touchdown. Greiner ist auf der Suche nach den „Marktmeistern“, das sind Firmen, „die sowohl anders als auch besser sind: die Unternehmen, die in ihrer Branche lange und sehr erfolgreich überleben können“ (S.87). Das Anderssein bezeichnet nach Greiner die konzeptionelle Stärke eines Unternehmens, während das Bessersein die Umsetzungskraft bezeichnet. Wie kommt es zu dem Titel „Touchdown“ mag sich der kritische Leser fragen? Greiner entlehnt diesen Begriff aus der Sprache der Fliegerei, wo er „das gelungene Ankommen, nach Turbulenzen wieder sicheren Boden unter den Füßen zu haben“ (S.11) beschreibt. Während Siemens viele erfolgreiche Touchdowns hingelegt hat, kommen viele Start-ups über einen Erstlingsflug gar nicht heraus. Kaum eine Neugründung erreicht das kraftvolle Alter von 50 Jahren. Wirtschaftspolitisch und volkswirtschaftlich mag das als problematisch gelten, aber ist es andererseits nicht gerade ein Charakteristikum der Marktwirtschaft, dass nur die Besten sich durchsetzen? Und gehört Scheitern nicht zum Unternehmerleben dazu? Das erste Seekabel, das Werner von Siemens von Spanien nach Algerien legen wollte, ist doch auch zerrissen und die Brüder Siemens waren kurz nach der Gründung in höchster finanzieller Not.

Scheitern lehrt, Erfolg kann in die Irre führen, da hinter der nächsten Straßenecke eine böse Überraschung lauern kann. Das weiß der Bestseller-Autor und Serien-Unternehmer Frank Thelen schon seitdem er 15 ist. Denn schon in jungen Jahren hat er beim Skateboarden den Lebensrhythmus von Hinfallen, Schmerzempfinden und Aufstehen gelernt. Heute bezieht er diese Erfahrung auf sein Unternehmerleben und lädt uns in seinem gerade erschienenen Buch zu einem herausfordernden Gedanken ein: „Natürlich bin auch ich lieber glücklich, als dass ich Schmerzen habe – aber wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, sind es meist die schmerzlichen Erfahrungen, die uns im Leben prägen und weiterbringen“. (S.263) Thelen ist einer der wenigen Gründer, die Schmerzen ertragen und weitergründen. Sein Motto „Hinfallen, Aufstehen, die Welt verändern“ hätte Werner von Siemens glatt unterschrieben, auch wenn er von Skateboarden noch nichts wissen konnte.