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Ägypten, Tunesien und die Türkei gehören zu den beliebtesten Urlaubsländern der Deutschen, auch beim Osterurlaub. Doch in allen drei Ländern ist die Sicherheitslage angespannt: Terrorismus ist dort ein akutes Thema, aktuell gilt in allen dreien der Ausnahmezustand. Für Ägypten hat das Auswärtige Amt eine Teilreisewarnung ausgesprochen, für Tunesien und die Türkei gibt es ausführliche Sicherheitshinweise. Wie sicher sind die Länder also? Und wie hoch ist die reale Bedrohung durch den Terrorismus?

Ägypten

Von den drei betrachteten Ländern ist die Bedrohung durch den Terrorismus in Ägypten gegenwärtig am höchsten. Nahezu täglich kommt es im Land zu Terroranschlägen. Mehr als 95 Prozent davon finden allerdings im Norden der Sinai-Halbinsel statt; ein militärisches Sperrgebiet fernab der Touristen-Zentren des Landes. Am sichersten sind Touristen gegenwärtig an der Rotmeerküste südlich von Hurghada – je weiter südlich, desto sicherer.

In Ägypten operieren zahlreiche terroristische Gruppen, überwiegend Dschihadisten. Bei diesen wiederum ist zu unterscheiden zwischen Gruppen, die dem Islamischen Staat (IS) oder Al-Qaida zuzurechnen sind. Die größte Bedrohung für Touristen geht gegenwärtig von der „Provinz Sinai“ des IS (ISPS) aus. Ende Februar 2018 hatten die Terroristen ein Propagandavideo veröffentlicht, in dem sie ihre Anhänger ausdrücklich zu Anschlägen auf Christen und Touristen aufriefen.

Al-Qaida zuzurechnende Gruppen sind gegenwärtig im Westen des Landes im Grenzgebiet zu Libyen aktiv. Ihr bevorzugtes Anschlagsziel sind Personal und Einrichtungen von Militär, Polizei und Nachrichtendiensten. ISPS operiert demgegenüber ganz überwiegend auf der vom Kernland geographisch getrennten Sinai-Halbinsel und hat dort ein vergleichbares Zielspektrum. Im Kernland Ägyptens sind das Ziel vorrangig koptische Christen. Der IS hat seit 2016 bereits mehrfach Anschläge auf Kopten im Niltal und im Delta verübt.

Für ISPS interessante Anschlagsziele sind aktuell vor allem koptische Kirchen und Klöster, ganz besonders während der Osterfeiertage. Weitere Ziele sind Sehenswürdigkeiten und öffentliche Plätze – all jene Orte, an denen sich viele Christen und Touristen versammeln.

Tunesien

Für Touristen besteht auch in Tunesien eine Bedrohung durch Terroranschläge, allerdings in einem geringeren Maße als in Ägypten. Die meisten Anschläge fanden bislang in zwei „Hotspots“ des Landes statt: zum einen in der im Westen an der Grenze zu Algerien gelegene Region Kasserine, zum anderen in der östlichen Gegend um die Stadt Ben Guerdane, nahe der libyschen Grenze. Beide Regionen sind militärisches Sperrgebiet. Eine erhöhte Gefährdung besteht zudem in der Hauptstadt Tunis. In den Badeorten an der Küste haben die tunesischen Sicherheitskräfte ihre Präsenz saisonbedingt stark ausgebaut.

Auch in Tunesien sind Dschihadisten von Al-Qaida und dem IS aktiv. Hauptakteur ist der tunesische Arm von Al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM), das Uqba-Bin-Nafi-Batallion. Deren Anschläge richten sich gegenwärtig gegen die Sicherheitskräfte von Polizei und Militär. Die größte Gefahr für Touristen geht auch in Tunesien vom IS aus. Das Wirtschaftsleben entlang der Küste hängt praktisch vollständig von den Einnahmen aus dem Tourismus ab – Anschläge würden sich hart auf die lokale Wirtschaft auswirken und damit zu einer Destabilisierung Tunesiens beitragen.

Die Hochphase des IS-Terrorismus erlebte Tunesien vor drei Jahren, als bei mehreren Anschlägen Dutzende von Touristen starben. Seither hat der IS keinen Anschlag mehr in Tunesien verübt. Doch die Ruhe könnte trügen. Denn viele Dschihadisten, die sich dem IS in Irak und Syrien angeschlossen haben, kehren nach dessen Zusammenbruch nun in ihr Heimatland zurück und können eine künftige Gefahr darstellen.

Türkei

Etwas entspannter als in Ägypten und Tunesien ist die Lage gegenwärtig im Hinblick auf eine Bedrohung durch den Terrorismus in der Türkei. Besonders riskant ist hier der Aufenthalt im Süden und Südosten des Landes, entlang der Grenze zu Syrien. Eine erhöhte Gefährdung besteht außerdem in den Großstädten Istanbul und Ankara.

In der Türkei sind gegenwärtig zwei terroristische Gruppen besonders relevant: die PKK-Splittergruppe „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK) und der Islamische Staat. Beide haben insbesondere seit Mitte 2015 wiederholt Anschläge verübt. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Gruppen: Die TAK bekämpft den türkischen Staat und verübt Anschläge überwiegend auf Einrichtungen und Personal der Sicherheitskräfte. Touristen sind kein direktes Ziel. Für den IS hingegen sind Touristen und allgemein westliche Ausländer ein bevorzugtes Ziel, genauso wie in Ägypten und Tunesien. Besonders gefährdete Orte sind dementsprechend Flughäfen, Sehenswürdigkeiten und öffentliche Plätze.

So sprengte sich im Januar 2016 ein Selbstmordattentäter mit Verbindungen zum IS im Istanbuler Bezirk Sultanahmet nahe der Hagia Sophia in die Luft – inmitten einer deutschen Reisegruppe. Zwölf Deutsche starben. Auch der Atatürk-Flughafen war bereits Ziel des IS, ebenso wie ein Nachtclub in der Silvesternacht 2016/2017.

Entlang der Badeorte an der Mittelmeerküste wurden dem Auswärtigem Amt zufolge „bislang keine sicherheitsrelevanten Ereignisse gemeldet, bei denen ausländische Touristen zu Schaden gekommen sind.“ Zwar kam es in der Vergangenheit vereinzelt zu Gewalttaten; bei diesen konnte allerdings ein terroristischer Hintergrund nicht nachgewiesen werden.

Der Grund für die relative Ruhe derzeit: Der IS benötigt die Türkei als Rückzugsraum für seine aus Syrien und dem Irak geflüchteten Kämpfer sowie als Logistik-Drehscheibe. Sobald sich die Dschihadisten aber wieder stark genug fühlen, dürften sie erneut Anschläge verüben. Dann könnten auch Touristen wieder zum Ziel von Terroranschlägen des IS werden.

Empfehlungen zum Schutz vor Terrorismus

Für Ägypten, Tunesien und die Türkei tragen einige einfache Verhaltensregeln dazu bei, das Risiko zu verringern, Opfer eines Terroranschlags zu werden und im Krisenfall zügig reagieren zu können:

  • Bleiben Sie auf dem Laufenden. Verfolgen Sie stets aufmerksam die Medienberichterstattung.
  • Tragen Sie sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes ein. Geben Sie Ihre Handynummer an. So sind Sie im Krisenfall schneller zu erreichen.
  • Erkundigen Sie sich bei Ihrem Reiseveranstalter nach den bestehenden Sicherheitsvorkehrungen und Notfallplänen.
  • In Ägypten meiden Sie Kirchen und Klöster, insbesondere um Ostern herum.
  • Halten Sie sich grundsätzlich von Menschenansammlungen und Demonstrationen fern.
  • Verkürzen Sie die Zeit, die Sie an öffentlichen Orten verbringen, auf ein Minimum. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Terroranschlags zu werden.
  • Beobachten Sie stets aufmerksam Ihr Umfeld. Sollte Ihnen etwas merkwürdig vorkommen, dann entfernen Sie sich sofort von Ihrem Standort. Ihre eigene Wachsamkeit ist Ihr bester Schutz.