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Schleswig-Holstein, ein verschlafenes Bundesland im Norden und als Gründerstandort kaum relevant? Der – im deutschlandweiten Vergleich mit 2,6 Prozent recht geringe – Anteil an Neugründungen in der Region, könnte dies vermuten lassen. Doch der Deutsche Startup Monitor 2019 (PDF) zeigt auch, dass die Nord-Ostsee-Region im Vorjahr bei nur 1,6 Prozent lag. Nun legen Meeresluft, Dünen und Co. nahe, dass der Bezug zur Natur da ist – und somit auch nachhaltige Startups? Zumindest überproportional stark: Der Green Startup Monitor (2018, PDF) beziffert 35 Prozent aller schleswig-holsteinischen Startups als grün, höher ist der Prozentsatz nur in Brandenburg (36 Prozent) und Sachsen (38 Prozent). Fünf nachhaltige Startups aus Kiel und der Umgebung der Landeshauptstadt stellen wir vor.

Nachhaltige Bambus-Bikes als effiziente Entwicklungszusammenarbeit

„Für eine Welt mit guter Bildung und fairen Arbeitsbedingungen!“ – das ist die Vision von myBoo, einem Startup mit Manufaktur in Kiel und Ghana. Seit 2012 werden in enger Kooperation der beiden Standorte Fahrräder aus Bambus hergestellt, ein nachwachsender, nachhaltiger Rohstoff. Durch die Konfigurator-Funktion auf der Website ermöglicht myBoo seinen Kunden neben den unterschiedlichen Standardmodellen, zu denen auch e-Bikes zählen, ein komplett selbstgestaltetes Exemplar. Im Herstellungsprozess werden die Eigenschaften von Bambus – extrem stabil, leicht und federnd – voll ausgenutzt. Zudem ist jedes Modell handgefertigt, ein Unikat und jeder Rahmen hat bis zu fünf Jahre Garantie. Die in Ghana gefertigten Bambusrahmen werden anschließend im Kieler Hauptsitz sorgfältig montiert. Somit hat das inzwischen 30-köpfige Team in Kiel bisher 40 fair bezahlte Arbeitsplätze in Yonso, Ghana geschaffen. Des Weiteren geht ein Teil der Erlöse an die Gemeinschaft vor Ort, um Kindern der Region durch den Bau einer Schule einen Zugang zu guter Bildung ermöglichen.

Scuddy: Nachhaltig auf drei Rädern: kleiner Roller – großer Impact

Scuddy, das ist ein leistungsstarker, kompakter E-Roller aus Kiel. Dessen Entwickler Tim Ascheberg und Jörn Jacobi legen bei ihrem Produkt großen Wert auf Mobilität, Inklusivität und Nachhaltigkeit. Die Gründer versuchen vor allem damit zu punkten, dass der E-Roller auf Sporttaschengröße faltbar ist und zudem im Sitzen wie im Stehen gefahren werden kann – so ist auch an Menschen mit eingeschränkter Mobilität gedacht. Um in Sachen Nachhaltigkeit so richtig zu überzeugen, muss der E-Roller natürlich mit Strom aus nachhaltigen Energiequellen versorgt werden. Ob E-Mobilität nun die Zukunft ist oder nichtScuddy rollte schon durch diverse Fernsehformate wie beispielweise „Die Höhle der Löwen“.

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Handpflege für Outdoorsport: Mit Handcreme die Bienen retten

Daumenschmaus, so schmackhaft klingt der Name der festen Handcreme, die exakt auf die starken Belastungen des Outdoorsports ausgerichtet ist. Ihr Entwickler Benno Hinrichsmeyer – selbst seit vielen Jahren begeisterter Kletterer – kennt die Bedürfnisse stark beanspruchter Hände genau. So schuf er gemeinsam mit drei Freunden Daumenschmaus, eine wirkungsvolle und in vielerlei Hinsicht nachhaltige Handcreme. Dieser Aspekt ist dem Team aus Schleswig-Holstein besonders wichtig. So ist die Daumenschmaus-Handcreme regional in Norddeutschland in Handarbeit produziert und alle Inhaltstoffe biologisch, nahezu komplett nach Demeter-Standards. Auch ist das Produkt 100 Prozent plastikfrei und für die Verpackungs-Dose besteht eine Nachfüllmöglichkeit. Doch hiermit sieht das Daumenschmaus-Team seine ökologische Verantwortung noch nicht als erfüllt an, sondern spendet, in Zusammenarbeit mit dem Artenvielfaltsprogramm des Guts Wulfsdorf, pro verkauftem Produkt 3 m² Bienenweide. Das Startup konnte laut eigenem Instagram-Post schon über 3.000 m² sichern und so zum Erhalt der Biodiversität beitragen.

Wie mit kleinen Tüten das große Umdenken bewirkt werden soll  

Umtüten heißt das nachhaltige Startup aus Kiel, das hinter dieser Idee steht. Umtüten, das ist ein Team aus Kiel, das der großen Verschwendung und Müllproduktion durch den Gebrauch von Plastiktüten nicht länger tatenlos zusehen will. Die Gründerinnen Anja Kromer und Christina Lehmann beschlossen eine Alternative zum Plastik zu schaffen: die Tüüt – inzwischen in unterschiedlichsten Ausführungen erhältlich. Die Zielgruppe sind hierbei einerseits Endverbraucher, andererseits auch Unternehmen wie Bäckereien und Bio-Supermärkte. Die Tüüten bestehen aus fair gehandelter Bio-Baumwolle, die in Tansania von Kleinbauern produziert wird. Das Inlay, welches die Lebensmittel länger frisch halten soll und einfach abzuwaschen ist, besteht aus europäischem, gentechnikfreiem Mais. Die weiteren Fertigungsschritte, etwa die händische Herstellung der Tüten im Münsterland, macht das junge Unternehmen auf seiner Website transparent.

So lecker kann nachhaltig sein: ritterliche Resteverwertung

Wenn du dien Teller leer ittst, dann gifft dat morn goods wedder.“ Dieser plattdeutsche Satz, der bei einem leergegessenen Teller morgen „wieder was Gutes“ verspricht, wurde vor langer Zeit missverstanden und so zum Ursprung der bekannten Behauptung, Aufessen sorgte am nächsten Tag für gutes Wetter. Das dies nicht der Fall ist, ist heute wohl unbestritten, nichtdestotrotz haben sich die ResteRitter, ein nachhaltiges Startup aus Kiel, dem Aufessen im Namen der Nachhaltigkeit verschrieben. Die drei Gründer sagen der Lebensmittelverschwendung den Kampf an und retten Lebensmittel, die ansonsten weggeworfen worden wären. Hieraus kochen sie Fruchtaufstriche und Chutneys, bei deren Verkauf sie für jedes Glas an die Hamburger Stiftung Mittagskinder spenden. So wird von Armut betroffenen Kindern ein warmes Mittagsessen ermöglicht, was Teil des ökologisch-sozialen Konzepts der ResteRitter ist. Zudem will das Startup ein Bewusstsein für die unnötige Verschwendung von Lebensmitteln schaffen und zum Mitmachen bei der Essensrettung motivieren, wozu sie Kochevents, sogenannte „Schnippelparties“ und Projekttage für Schulen veranstalten.

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