Die Arbeitswelt hat sich spürbar verändert: hybride Arbeitsmodelle sind für viele Menschen zur Normalität geworden. Allein die Homeoffice-Nutzung hat sich seit 2019 nahezu verdoppelt und lag 2024 bei 24,1 % der Erwerbstätigen in Deutschland. Unternehmen reagieren darauf mit neuen Modellen und Regeln, doch die Frage bleibt, wie nachhaltig diese Flexibilisierung der Arbeitswelt wirkt. Oft löst flexibles Arbeiten auch Abwehrreflexe aus: Mal wird er auf den Arbeitsort reduziert, mal als Risiko oder Bequemlichkeit abgestempelt. Diese verkürzten Vorstellungen führen dazu, dass eine sachliche Diskussion rund um das Thema immer schwerer wird. Deshalb klären wir auf: Was sind die fünf größten Mythen über flexibles Arbeiten? Und wie sieht die Realität wirklich aus?
Mythos 1: Flexibilität = Homeoffice
Oft wird die Möglichkeit flexibel zu arbeiten allein auf das Homeoffice reduziert. Dabei ist nicht nur der Arbeitsort entscheidend, sondern auch Dimensionen wie die Arbeitszeit. In der Praxis bleibt Flexibilität häufig beim Wo stehen. Das 3+2-Modell (drei Tage im Büro und zwei Tage Homeoffice) wird oft als vermeintlicher Goldstandard eingeführt, obwohl es nicht zu allen Rollen, Teams oder Lebenssituationen passt. Wenn weiterhin feste Meeting-Zeiten gelten oder die Leistung an Sichtbarkeit geknüpft ist, kann es sogar noch komplizierter werden. Unternehmen wie Spotify setzen Modelle wie „Work from Anywhere“ um und erweitern wirklich damit den Spielraum. Aber: Echte Flexibilität entsteht erst, wenn sich auch das Wann und das Wie der Arbeit verändern.
Mythos 2: Digitalisierung bedeutet weniger Arbeit und mehr Freiraum
Das Versprechen, dass die Digitalisierung mehr Freiraum bieten wird, widerlegt sich oft selbst. Wenn Prozesse schneller werden, wird die gewonnene Zeit oft nicht frei, sondern mit mehr Aufgaben gefüllt. Pausen verschwinden und die Arbeit wird dichter. Verlieren Organisationen, die auf Dauerfeuer setzen, nicht genau das, was sie eigentlich gewinnen wollen? Sie brauchen Leistung und Engagement, bieten ihren Mitarbeitern aber nicht die nötige Flexibilität, um dies zu ermöglichen. Manchmal brauchen wir weniger Intensität, um Raum für Forschung und nachhaltiges Arbeiten schaffen. Wichtig sind bewusste Regeln und eine entsprechende Kultur, sonst führen Tools eher zu Verdichtung statt zu Freiraum.
Mythos 3: Wer Flexibilität fordert, gilt schnell als illoyal oder leistungsfeindlich
Die Frage nach flexiblen Arbeitszeiten und hybriden Regelungen führt oft zu abschätzigen Blicken – denn oft werden Präsenz und möglichst noch Überstunden mit Leistung verwechselt. Leistung entsteht aber nicht durch Präsenz, sondern durch Fokus, klare Prioritäten und eine gute Zusammenarbeit. Wer Kinder hat oder mal Termine außerhalb der klassischen Bürozeiten hat, kann enorm von flexiblen Modellen profitieren und so seinen Arbeitsoutput nachhaltig steigern. Soll heißen: Wir müssen Leistung, Ergebnisorientierung und Lebensqualität gemeinsam denken. Es braucht nur ein Arrangement, das Arbeit und Leben realistisch in Beziehung setzt.
Mythos 4: Flexibilität heißt weniger Regeln
Wenn Organisationen Flexibilität aber nicht formell regeln, führt das oft zu Chaos und Unsicherheit. Flexibilität kann aber nur dann ihr Potential entfalten, wenn es klare Absprachen und bewusste Entscheidungen gibt. Es muss Guidelines geben wie: Welche Meetings sind Pflicht? Wie schützen wir Fokuszeiten? Was ist dringend? Die Mitarbeiter von Shopify oder Dropbox kennen diese Prinzipien: sogenannte „Core Collaboration Hours” sind feste Zeitfenster für synchrone Zusammenarbeit. Meetings sollen in diesen Blöcken stattfinden und außerhalb davon sind Mitarbeitende ausdrücklich dazu ermächtigt, Meetings abzulehnen. So entsteht eine klare Planbarkeit für die Teamarbeit und gleichzeitig bleibt außerhalb der Kernzeiten bewusst Raum für fokussierte, selbstbestimmte Arbeit. Zudem können gemeinsame Ankerpunkte, wie Präsenztage für Workshops oder soziale Events, wichtiger sein als dauerhafte Präsenz. Guidelines schaffen den Rahmen, der Flexibilität erst fair und praktikabel macht.
Mythos 5: Flexibilität ist nur ein weiches Kulturthema
Viele betrachten Flexibilität lediglich als „nice to have“, als etwas, das vor allem für das Employer Branding und die Stimmung von Vorteil ist und bei ökonomischem Gegenwind sofort eingespart wird. Aber: Flexibilität ist keine weiche Kulturfrage, sondern eine Überlebensfrage für Organisationen. In Zeiten von rasanter Veränderung – disruptive Technologien, Klimawandel, volatile Märkte – sollten Organisationen Flexibilität als strategische Fähigkeit betrachten und ihre Arbeitsweisen so gestalten, dass passende und praktikable Modelle entstehen. In einem dynamischen Umfeld dürfen Organisationen nicht statisch werden sondern müssen sich ständig anpassen.
Erst wenn Flexibilität aktiv gestaltet wird, kann sie als verlässliches Arbeitsmodell funktionieren. So entstehen nachhaltige Lösungen, die nicht zufällig durch Workarounds entstehen. Genau hier setzt das Buch „Work Life Remix“ an. Es übersetzt Prinzipien in konkrete Methoden, mit denen Teams ihre Zusammenarbeit systematisch weiterentwickeln können. Das Buch liefert einen strukturierten Rahmen, um Flexibilität sinnvoll umzusetzen – unabhängig davon, ob die Arbeit überwiegend im Büro oder remote stattfindet.
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