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…Carsten Meier, Nina Meier-Hahasvili und Gregor Kalchthaler.

Mit »Work Life Remix« zeigt das Autorenteam, warum Flexibilität heute unverzichtbar ist und über Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit entscheidet. Das Buch übersetzt Prinzipien in konkrete Methoden, mit denen Teams ihre Zusammenarbeit systematisch weiterentwickeln können. Im Interview geht es um ein neues Verständnis von Flexibilität und darum, wie zukunftsfähige Arbeitsmodelle gelingen können.

Eine der Kernthesen Eures Buches ist, dass die New-Work-Blase geplatzt ist. Woran macht ihr das fest?

New Work ist an seinen eigenen Heilsversprechen gescheitert. Viele Organisationen haben Kulturaufkleber verteilt, aber kaum strukturelle Veränderungen gemacht. Die Krise kam und zeigte, dass Feelgood nicht trägt, wenn Leistungsdruck steigt und Systeme brüchiger werden. Ein zentraler Konflikt blieb ungelöst: Flexibilität als Chance zu begreifen. Genau hier hätte New Work neu ordnen müssen. Dass es das nicht getan hat, hat das Label entzaubert und den Blick freigemacht für die eigentlichen Fragen, die wir im Buch stellen: Wie sieht moderne Arbeit aus, die Menschen zu Leistungsfähigkeit führt ohne, dass Abstriche in Lebens- oder Arbeitsrealität stattfinden.

Flexibilität ist mehr als Arbeitszeitmodelle oder Homeoffice-Regelungen. Welche weiteren Dimensionen sind entscheidend, wenn Arbeit wirklich flexibel und wirksam gestaltet werden soll?

In unserem Buch ist Flexibilität nicht Homeoffice plus Gleitzeit, sondern ein Arrangement aus fünf Inputs: Zeit, Ort, Energie, Strukturen und Lebensrealitäten. Flexibilität heißt: Kann ein Team bewusst entscheiden, wann es synchron arbeiten muss und wann nicht? Können Menschen ihre privaten Rhythmen einbringen, ohne als Ausnahme zu gelten? Gibt es Klarheit statt impliziter Normen? Flexibilität entsteht nicht durch Freiheitsversprechen, sondern durch Gestaltung – durch ein Remix-Prinzip, das Arbeit und Leben nicht trennt, sondern aufeinander abstimmt.

Ihr schreibt in Eurem Buch von einer Spaltung zwischen »Flexibilitäts-Eliten« und »Anwesenheits-Proletariat«. Wie lässt sich diese Kluft überwinden – ohne neue Ungerechtigkeiten zu schaffen?

Wir beschreiben diese Kluft, weil sie real ist: Wissensarbeiter:innen genießen Standortfreiheit, während Menschen in Produktion, Pflege oder Service dieselbe Debatte als Hohn empfinden. Wirksame Lösungen entstehen nur, wenn wir Flexibilität nicht als Privileg, sondern als Gestaltungsaufgabe pro Jobprofil denken. Das bedeutet: Schichtmodelle modernisieren, Planbarkeit erhöhen, Mitgestaltung ermöglichen – und offenlegen, warum bestimmte Freiheiten unterschiedlich verteilt sind. Ungerechtigkeit entsteht nicht durch Unterschiede, sondern durch fehlende Begründungen.

Ihr habt mit Intraprenör die erste Studie zur Vier-Tage-Woche in Deutschland begleitet. Was waren eure wichtigsten Erkenntnisse?

Das wichtigste Ergebnis: Die Vier-Tage-Woche ist kein Zeitthema, sondern ein Organisationsthema. Die produktivsten Unternehmen haben nicht einfach einen Tag gestrichen, sondern ihre Arbeitsweise überarbeitet – Prioritäten, Abstimmungen, Routinen, Meetings. Kaum ein Unternehmen landete bei der klassischen 4TW, aber fast alle entwickelten flexiblere Modelle, die zu ihnen passten. Der Effekt kam nicht vom „freien Tag“, sondern von Klarheit und Fokus. Die Studie war damit weniger der Beweis eines Modells als der Beweis, dass Organisationen viel gestaltbarer sind, als sie glauben.

 

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