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Ein packender Mafia-Film, musikalische Experimente und der poetischte Roman des Jahres lohnen, entdeckt zu werden.

Kulturtipps für Realisten

Er wird „Pentito“ genannt, Reuiger. Der Mafioso, der freiwillig mit der Justiz kooperiert. Einer wie Tommaso Bruscetta. 1928 geboren, wendet er sich 1984 gegen die Cosa Nostra, um mit Falcone zusammenzuarbeiten. Jenem Richter, der die Jagd auf die Mafia 1992 mit seinem Leben bezahlt. Da hatte Totò Riina, Chef eines konkurrierenden Clans, bereits reihenweise die engsten Vertrauten und Familienmitglieder des alt eingesessenen Cosa Nostra Bosses Tommaso Bruscetta niedergemetzelt. Ein Vorgehen, in dem letzterer seine ehrenwerte Gesellschaft nicht mehr wiedererkennt. Machtlos musste er von Brasilien aus zusehen, wie man seine Freunde und Familie dezimierte, nur um dann selbst aufgespürt zu werden. Doch die brasilianischen Behörden sind schneller. Es folgt die Auslieferung nach Italien und „der Verräter“ packt aus.

Das Ergebnis ist der so genannte Maxi-Prozess, bei dem 344 Angeklagte zu insgesamt 2.665 Jahren Haft verurteilt werden. „Il Traditore“ ist ein spannender und fesselnder Film über die Mafia, ihre Verbrechen und weit verzweigten Arme. Und weit ungeschönter als viele die ehrenwerte Gesellschaft verherrlichenden Streifen à la „Der Pate“. Regisseur Marco Bellocchio gelingt ein kenntnisreicher Blick auf das wahre Leben und Sterben des Tommaso Bruscetta, die Mafia und den Maxi-Prozess.

“Il Traditore. Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra”
seit dem 13. August im Kino

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Kulturtipps für Experimentierfreudige

Bereits das Eröffnungskonzert überrollte die Zuhörer mit hypnotischen Klangspektren, einem Magma aus Klängen, Formen und Farben und einem Geflecht aus Komposition, Improvisation und Live-Elektronik. Und das war erst der Anfang.

Der Monat der zeitgenössischen Musik geht noch bis zum 30. September und hält noch so manches Experiment parat: Installative Konzerte, Konzerte im Freien, Echtzeitmusik, Improvisation, Musiktheater und Oper, Klangkunst und Sound Art, Elektroakustik und experimentelle elektronische Musik. Wer bereit ist, sich auf neue Klangerlebnisse einzulassen, ist im vierten Jahr des Monats der zeitgenössischen Musik in Berlin gut aufgehoben. Dank Corona gibt es dieses Mal auch viele digitale Formate, die online verfolgt werden können. Gut für die, denen eine Anreise zu weit ist. Und das Symposium »Curating Diversity« am 25. September mit Themen wie Emanzipation, Dekolonisation und Raubmusik ist als hybrides Format konzipiert und ermöglicht den Teilnehmern, sowohl live in der Akademie der Künste dabei zu sein als auch sich von zu Hause via Internet zuzuschalten.

Monat der zeitgenössischen Musik
28.8. – 30.09.2020

Kulturtipps für Empfindsame

Wer die Poesie brutalen Mafiosi und zeitgenössischer Musik vorzieht, ist bei Benjamin Myers gut aufgehoben. Der britische Autor schafft mit „Offene See“ einen der schönsten Romane dieses Jahres.

Er beginnt im Frühling 1946. England erholt sich nur langsam vom Krieg. Im Norden des Landes, dort, wo der Kohleabbau die Ader des Lebens ist, folgen noch immer die Söhne ihren Vätern in die Stollen. Ein Schicksal, das auch Robert bevorsteht. Doch der Sechzehnjährige möchte vorher einmal das Meer sehen. Und während sich das grünste Land Nordenglands bereit macht, aufzublühen, bricht Robert gen Süden auf. Eher zufällig stolpert er über ein geducktes, paradiesisch gelegenes Cottage. Es gehört Dulcie Piper, die ihn zum Tee einlädt. Die ältere, unkonventionelle Frau öffnet dem jungen Mann eine Welt jenseits der Enge eines Kohledorfs. Luft und Liebe, Kunst, Poesie und Literatur halten Einzug in die Gedankenwelt Roberts. So zieht Benjamin Myers seine Leser ganz behutsam in das fragile Gebilde namens Leben.

Die Schönheit der Natur, die Leichtigkeit der Bohème und die Melancholie einer verlorenen Liebe gehen Hand in Hand durch die Seiten dieses außergewöhnlich poetischen Romans, in dem sich zwei Menschen Halt geben, um Frieden in ihrem Leben zu finden.

Benjamin Myers
Offene See
DuMont Buchverlag, Köln 2020

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