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Die seit Jahren zu Recht geführten Debatten über (Lebens-)Arbeitszeiten erreichten jüngst einen Hitzegrad, der durch das Triggerwort „lifestyle“ die eh schon brodelnde öffentliche Gemengelage zum Überkochen brachte. Im Eifer dieser sozialpolitischen Gefechte werden gerne Begriffe und Bedeutungen gegeneinander ausgespielt: Arbeit oder Leben lautet dann die zugespitzte Alternative, die von den Debatten um Home-Office, Work Life-Balance und Vier-Tage-Woche übrigzubleiben scheint. Im Ergebnis bilden sich Meinungslager, deren Protagonisten sich vermeintlich entweder auf die Seite des Lebens oder auf die Seite der Arbeit zu schlagen scheinen, eine Dynamik, die uns nicht weiterführt.

Das fängt schon bei der Begriffsklärung an: Was verstehen wir überhaupt unter Arbeit? Bezahlte Lohnarbeit? Wie gehen wir mit Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen um? Und was ist mit den zahlreichen Selbstständigen, die von der aktuellen Debatte völlig vergessen werden? Und was meinen wir eigentlich mit Leben? Sprechen wir nur dann von Leben, wenn wir nicht arbeiten?

Diese Fragen lassen sich kaum abschließend beantworten. Aber sie machen deutlich: Simplifizierungen helfen uns nicht weiter – weder auf dem Weg zu einer leistungsfähigen Wirtschaft noch bei dem Versuch, die Bedürfnisse der Menschen ernsthaft mitzudenken.

Denn die eigentliche Problemstellung lautet doch: wie integrieren wir Arbeitszeit und Freizeit in unseren Lebenszyklus? Und: Wollen wir die Qualität von Arbeit weiterhin am quantitativen Faktor Arbeitszeit bemessen?    

In ihrem bei uns dieser Tage erscheinenden Buch Work Life Remix. Finde die Arbeitsweise, die zu deinem Leben passt, eröffnen Carsten Meier, Nina Meier-Hahasvili und Gregor Kalchthaler uns neue Sichtachsen, in dem sie sich von jeglicher dualistischen Sichtweise der aktuellen Debatte lösen und deren Ingredienzen wie Leistung, Erholung, Pflicht, Neigung, Broterwerb, Sinn – neu mixen.

Das Entscheidende an diesem Ansatz: Arbeit und Leben werden nicht länger als starre Konstrukte verstanden, sondern als gestaltbare Größen. Und zwar nicht im Sinne einer einseitigen Erwartungshaltung an Arbeitgeber oder Politik („Sorgt für meine Work-Life-Balance“), sondern als gemeinsamer Aushandlungsprozess: Welche Rahmenbedingungen brauchen wir, damit Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen ihre bestmögliche Leistung erbringen können?

Die Frage nach dem Work-Life-Remix beantwortet sich dann aus der Praxis heraus – und nicht aus sozialpolitischen Grabenkämpfen. Es geht nicht mehr nur um ein mehr oder weniger von Arbeit, sondern um besseres Arbeiten. Und das sollte unser aller Ziel sein.

Letzte Worte zum #Lifestyle: Das Streben nach einer individuellen Arbeits- und Lebensform im Kontext faktischer politischer und wirtschaftlicher Ordnungen ist philosophisch gesehen eine Frage des Lebensstils.

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