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Manchmal braucht es nur einen Ortswechsel, ein inspirierendes Gespräch, einen neuen Blick, damit wir aus gewohnter Routine ausbrechen. Genau solche Perspektivwechsel liefern im Unternehmertum oft den Impuls, der Entscheidungen neu sortiert und Möglichkeiten öffnet. Die Geschichte von John Wood zeigt, was das bedeutet. Aus einem Reise-Moment entsteht eine Non-Profit-Organisation, die unternehmerisch arbeitet – nicht rendite-, sondern wirkungsgetrieben.

Ein Moment im Himalaya  

John Wood, ein hochrangiger Microsoft-Manager, befindet sich im Urlaub und steht in einer Schule im nepalesischen Hochgebirge. Er blickt in eine Bibliothek, die diesen Namen kaum verdient. Es gibt keine Regalreihen voller Bücher, keine Auswahl, kein „Material“ – nur Leere und den Eindruck, dass das Lernen hier an etwas Grundlegendem scheitert. In diesem Raum veränderte sich für ihn etwas. Es braucht kein langes Konzept und keine große Besprechung mit den Schulen vor Ort, sondern nur diesen einen Moment, um eine Vision zu entwickeln. Er verspricht, wiederzukommen – mit Büchern. 

Aus dem Versprechen wird ein konkreter Schritt, aus dem Schritt ein Sozialunternehmen. Er steigt 1999 mit 35 Jahren bei Microsoft aus und setzt auf eine Idee, die zunächst klein beginnt: Ein paar Kisten voller Bücher, ein Versprechen und der erste Kontakt vor Ort. Der Start ist kein großer Launch, sondern ein vorsichtiges Austesten. Mit Spenden aus dem eigenen Umfeld und mit ehrenamtlicher Unterstützung – unter anderem von seinen Eltern – legt er los. Sein Vater und er kehrten nach Nepal zurück, beluden acht Esel mit Büchern und besuchten Schulen, um deren Bibliotheken aufzufüllen.  

Wood gründet „Room to Read“ unterstützt von Ehrenamtlichen und getragen von der Idee, dass auch vor Ort Verantwortung übernommen wird. Was als Reaktion auf einen Bedarf beginnt, wird Schritt für Schritt zu einem Modell, das funktioniert: Es liefert nicht nur Ressourcen, sondern ermöglicht Engagement. Wood erzählte die Geschichte später in „Leaving Microsoft to Change the World“ – und 2007 erschien sie bei uns im Verlag als: „Von Microsoft in den Himalaya – Bücher für eine bessere Welt“.  

Reisen als Perspektivenwechsel  

Ein kurzer Perspektivenwechsel für Wood aus seinem schnelllebigen und teils nicht wirklich erfüllenden Leben blieb damals nicht beim Eindruck stehen, sondern wurde zur Entscheidung, etwas zu verändern. Möglich wurde das erst, weil er unterwegs war:  Ohne diese Reise hätte es keinen Zufallsmoment gegeben, keinen Blick in den fast leeren Bücherschrank, keinen unmittelbaren Vergleich zwischen dem, was in seinem Alltag „normal“ war, und dem, was hier fehlte. Genau diese Konfrontation in einem völlig anderen Rahmen löste die Dynamik aus, die später zur Gründung führte. Room to Read ist heute eine weltweit aktive Bildungsorganisation, die seit 2000 insgesamt 60,3 Mio. Kinder erreicht hat und in 29 Ländern Wirkung erzielt.

Reisen, das Entwickeln von Gedanken, das Suchen nach Gesprächen – all das schafft Situationen, in denen Inspiration überhaupt erst möglich wird. In Routinen werden wir schnell einseitig. Wechselt der Kontext, öffnet sich der Blick: Plötzlich wird sichtbar, was fehlt und was möglich wäre. Gerade im Unternehmertum zeigt sich diese Wirkung ganz praktisch. Wenn der Blickwinkel sich ändert, werden bisher übersehene Chancen erkennbar, man versteht klarer, was wirklich gebraucht wird – und welche Ansatzpunkte längst nicht mehr tragen. Oft entsteht Entwicklung deshalb nicht aus mehr Planung, sondern aus einem anderen Kontext: durch Reisen, durch neue Menschen, durch andere kulturelle Selbstverständlichkeiten. 

Reiseagentur als Vorbild für Unternehmertum 

Hier setzt auch unsere Neuerscheinung »Wer hat unsere Lok geklaut?« an. Bei Lernidee Erlebnisreisen wird diese Art von Unternehmertum gelebt: Raus aus der Theorie, rein in Situationen, in denen sich die Anforderungen verändern, aber Entscheidungen trotzdem getroffen werden müssen. Manchmal genügte ein einziger Augenblick als Auslöser: Ein Anruf beim Deutschen Fußball-Bund etwa eröffnete den Zugang zu einem neuen Geschäftsfeld: Lernidee konnte Reisen für Fußballmannschaften arrangieren. Durch Gespräche, auf Umwegen und in Situationen, in denen sich der Kontext verschiebt und plötzlich deutlich wird, was gebraucht wird, ergaben sich völlig neue Möglichkeiten. 

Perspektivenwechsel als Chanc 

Wenn ein Perspektivenwechsel gelingt, dann bleibt er nicht beim Eindruck stehen. Er wird zur Grundlage für Entscheidungen: Beobachten, erkennen, handeln. So entsteht aus der Summe der Perspektiven ein erweitertes Bewusstsein. Dabei liefern neue Kontexte nicht nur Inspiration, sondern auch wertvolle Verbindungen. Aus diesen Verbindungen entstehen Möglichkeiten, die vorher nicht sichtbar waren. John Wood hat nach „Room to Read” nicht aufgehört: 2021 gründete er mit „U-Go” eine weitere Non-Profit-Organisation, die jungen Frauen den Zugang zu Hochschulbildung verbessern soll. 

 

 

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