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Die Kulturtipps im Juli warten mit drei Lektüreempfehlungen auf, die nach England, an den Comer See und nach Indien führen.

 

Benjamin Myers: „Strandgut“

Benjamin Myers’ Roman »Strandgut« erzählt von Earlon „Bucky“ Bronco, einem alternden Soulsänger aus Chicago, der nach dem Tod seiner Frau Maybell nur noch zwischen Wohnung und Apotheke lebt und auf den Tod wartet. Schmerz, Erschöpfung und Resignation bestimmen seinen Alltag, bis ihn eine Einladung zum jährlichen Soul-Festival im britischen Scarborough erreicht. Zum ersten Mal steigt Bucky ins Flugzeug – und landet nicht nur an der Küste, sondern mitten in einer zweiten Chance. In Scarborough begegnet er Dinah, einer ebenso vom Leben gezeichneten Frau. Aus dem Aufeinandertreffen zweier Verletzter wird eine berührende Herzensgemeinschaft, die im Rhythmus der Soulmusik schlägt. Der Roman verneigt sich vor einer Musik, die von Schmerz und Hoffnung lebt und aus dem Innersten kommt. Benjamin Myers erzählt ruhig, lebensnah und mit großer Empathie für seine Figuren. „Trauer ist der Preis der Liebe“ – dieser Satz gibt dem Roman seine Stimmung: eine Liebeserklärung an die Unvollkommenheit des Lebens und an die Kraft der Soulmusik.

Benjamin Myers
Strandgut
Dumont Buchverlag, Köln 2025

 

Oliver Maria Schmitt: „KomaSee“

In »KomaSee« schickt Oliver Maria Schmitt seine erfolgsverwöhnte Paparazza Elena Barone an den Comer See, genauer nach Borgo und Molina Lario. Dort harrt sie seit Wochen auf einem Boot aus, immer in der Hoffnung auf das Skandalfoto mit George Clooney. Doch der lässt sich nicht blicken, der Vorschuss ist längst verbraucht, die Fotoagentur wirft sie hinaus, und Elena selbst kämpft als Endvierzigerin mit Alkoholproblem und ohne Führerschein zunehmend mit der schnelllebigen Bilderwelt. Was nach Sozialdrama klingt, entpuppt sich als Liebeserklärung an den Comer See, an Glamour, Bergdörfer und Dolce Vita mit einer spürbaren Lust am Überdrehten. Denn schon bald betreten weitere schillernde Figuren die Bühne: Elenas Mamma, die Barbesitzerin Peppa, die 15-jährige Riva und Faustino, ein kleiner, liebenswerter Mann, der Elena nicht mehr von der Seite weicht und sie zu den exklusivsten Orten chauffiert. Schmitt zeichnet mit überbordender Komik ein Bild der High Society, das ebenso liebenswürdig wie exzentrisch ist. Und doch bleibt der Comer See geheimnisvoll und wild, bis ein furioses Finale das Wasser geradezu aus den Buchseiten schwappen lässt.

Oliver Maria Schmitt
KomaSee
rowohlt Verlag, Hamburg 2025

 

Arundhati Roy: „Meine Zuflucht und mein Sturm“

Mit »Meine Zuflucht und mein Sturm« legt Arundhati Roy ein Buch vor, das sich zwischen Autobiografie, Erinnerung und politischer Selbstvergewisserung bewegt. Im Zentrum steht die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter Mary Roy, die 2022 starb. Aus dieser Erfahrung entstand ein Text über Herkunft, Schmerz, Stärke und literarische Selbstbehauptung. Arundhati Roy schildert ihre Mutter als widersprüchliche, kraftvolle Frau: Eine Mutter, die ihre Tochter prägte und verletzte, die eine Schule gründete, sich für die Rechte christlicher Frauen in Kerala einsetzte und dafür kämpfte, nicht nur „nett“, sondern frei und durchsetzungsfähig zu sein.Gleichzeitig beschreibt Arundhati Roy ihre eigene Entwicklung: das Architekturstudium in Delhi, die Arbeit als Bühnenbildnerin und Drehbuchautorin, den Durchbruch mit „Der Gott der kleinen Dinge“ und ihr politisches Schreiben gegen Hass und Demütigung. Das Buch ist eine literarisch dichte Annäherung an eine Mutter und an sich selbst. Zwischen Realität und erzählerischer Kraft entsteht ein Text, der fast wie ein Roman wirkt. Arundhati Roy schreibt farbenreich, widerständig und mit großer Intensität – über Freiheit, Familie, Sprache und den Preis des Schreibens.

Arundhati Roy
Meine Zuflucht und mein Sturm
S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M.,2025

 

 

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