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Die Kulturtipps im April führen literarisch in einen Quasi-Western, versuchen, Gut und Böse neu zu verorten und lassen die Orgel mit neuer Frische erstrahlen.

 

Mariana Travacio: „Ein Mann namens Loprete“

Es gibt Bücher, die brauchen nicht viel Platz, um eine ganze Welt zu eröffnen. „Ein Mann namens Loprete“ der argentinischen Autorin Mariana Travacio ist so eines: 128 Seiten, 62 kurze Kapitel – aber die sitzen. Die Geschichte beginnt in einer Bar im Nirgendwo Argentiniens. Ein Mann betritt den Raum, sucht eine Frau namens Pepa, aber die drei Männer in der Bar wissen von nichts. Wenige Gläser Gin später liegt der Fremde tot am Boden. Was folgt, ist eine Spirale der Gewalt: Die Lopretes schwören Rache, haben aber selbst die Eltern des Protagonisten – Manoel – ermordet, der wiederum beim Mord in der Bar dabei war. Ein Sog aus Angst, Wut und Rache bahnt sich seinen Weg. Travacio erzählt diese archaische Rachegeschichte ohne moralische Einordnung oder psychologische Ausleuchtung. Männer töten, weil sie glauben, töten zu müssen. Frauen dulden, schweigen oder werden wahnsinnig. Die staubige, weite und zeitlose Landschaft ist die grandiose Kulisse in diesem westernähnlichen Setting. Travacio beschreibt nicht, wie Schmerz sich anfühlt, sie zeigt Situationen, in denen Schmerz stattfindet. Der Leser füllt die dadurch entstehenden Lücken – und spürt plötzlich mehr, als Worte je hätten ausdrücken können. Das Ergebnis ist eine eigenwillige Sprachpoesie, die fesselt.

Mariana Travacio
Ein Mann namens Loprete
Übersetzung: Kirsten Brandt
Pendragon Verlag
Bielefeld 2025

 

Nico and the Navigators: „Empathy for the Devil“

Gut und Böse – was einst eine moralische Gewissheit schien, zeigt sich zunehmend als fragile Konstruktion findet das Ensemble Nico and the Navigators. Mit „Empathy for the Devil“ kehrt die Theatergruppe ins Berliner Radialsystem zurück. Regisseurin Nicola Hümpel, die das Ensemble 1998 am Bauhaus Dessau mitgründete, und ihr Team stellen dabei die uralte Frage nach Gut und Böse in den Kontext unserer Gegenwart: Krisen, Kriege und wachsende gesellschaftliche Spaltung. Die Inszenierung arbeitet mit dem Mittel der Collage: Goethes „Faust“ als philosophischer Denkraum trifft auf den Rolling-Stones-Song „Sympathy for the Devil“, Barockarien begegnen Popsongs und zeitgenössischer Musik – Fragmente, die beim Publikum Kopfkino entstehen lassen soll. Das Böse tritt dabei selten als eindeutige Figur auf, es verändert seine Form: mal verführerisch, mal grotesk, mal erschreckend nah. Und vielleicht, so hofft Hümpel, lädt genau diese Verwandlung zur selbstkritischen Auseinandersetzung ein – mit der Frage, wo diese Figur nicht nur außerhalb, sondern auch in uns selbst auftaucht.

„Empathy for the Devil“
Nico and the Navigators, Radialsystem Berlin
Wiederaufnahme ab 16. April 2026.

 

Lukas Hasler: GOLD

GOLD! Groß prangt der Titel auf dem Cover der CD des jungen österreichischen Organisten Lukas Hasler. Das Programm: Transkriptionen und Originalwerke. Eingespielt an der Rieger-Orgel im Großen Saal des Wiener Musikvereins, dem legendären Goldenen Saal, reizt Hasler das symphonische Instrument mit 86 Registern in ganzer Pracht aus, ohne je in pseudovirtuose Mätzchen zu verfallen. Rekordtempi sind seine Sache nicht. Dort, wo Klaviertranskriptionen an die Grenzen des Instruments stoßen, arbeitet er mit differenzierter Registrierung dagegen an. Wenn aber im Boléro de concert von Lefébure-Wély Orgel und Organist ganz in ihrem Element sind, ist die Klasse des jungen Organisten zu hören. Lukas Hasler sollte man sich merken: Über 100.000 Follower auf Social Media verfolgen seinen Weg, klassische Musik zeitgemäß zu vermitteln. Und das zurecht.

Lukas Hasler
GOLD. Transcriptions for Organ
pentatone 2026

 

 

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