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Mit Vogelgezwitscher geht’s nach „La Gomera“, in Mecklenburg-Vorpommern lässt Thomas Brussig die Waschbären los und das Ensemble Correspondances führt uns in ferne Zeiten.

Die Mafia und das Pfeifen

Wenn Gangster pfeifen, dann verpfeifen sie nicht unbedingt einander. Es könnte auch sein, dass sie miteinander sprechen. In „La Gomera – verpfiffen und verraten“ passiert genau das. Der korrupte Polizist Cristi kommt auf die Kanareninsel, um dort „El Siblo“ zu lernen. Diese geheime Pfeifsprache hört sich an wie Vogelgezwitscher, ist aber das ideale Kommunikationsmittel für die Mafia, auch über große Distanz Informationen auszutauschen, ohne dass die Polizei es mitbekommt. Cristi soll dabei helfen, Zsolt aus dem Gefängnis zu befreien. Denn nur der weiß, wo die 30 Millionen Euro von Mafiaboss Paco sind, die Zsolt mit seiner Matratzenfirma für ihn gewaschen hat. Und dann ist da noch Gilda, die Freundin von Paco, die auf Cristo angesetzt wird, aber eigentlich mit Zsolt durchbrennen wollte. Cristis Mama bringt auch noch einiges durcheinander und da wir in Rumänien sind, bleibt auch Cristis Vorgesetzte äußerst undurchsichtig. Regisseur Corneliu Porumboiu hat mit „La Gomera“ einen wunderbaren Mafiafilm gedreht, der durch viel trockenen Humor, einer originellen Story und tollen Darstellern besticht. Bei den letztjährigen Filmfestspielen in Cannes bekam er stehende Ovationen. Zurecht!

La Gomera – verpfiffen und verraten
Seit dem 13. Februar 2020 im Kino

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Waschbären in Seenot

Wer Bären den Vögeln vorzieht, sollte „Die Verwandelten“ von Thomas Brussig zur Hand nehmen. Im bräsigen Bräsenfelde in den Weiten Mecklenburg-Vorpommerns langweilen sich im Sommer 2023 Fibi und Aram eines schönen Sonntags mächtig. Und so googeln sie mal flugs, wie man sich in einen Waschbären verwandeln kann, finden die Gebrauchsanleitung und kommen nur kurze Zeit später aus der Waschanlage in Seenot als Waschbären wieder heraus. Versuchen ihre Eltern anfangs noch alles, aus den Tieren wieder ihre Kinder zu machen, fügen sie sich schon bald in ihr Schicksal. Denn plötzlich lockt der Mammon. Kann man mit den sprechenden Waschbären nicht ordentlich Geld verdienen? Und während Fibi zum Medienstar wird, zieht sich Aram immer mehr ins Habitat seiner Artgenossen zurück. Thomas Brussig schreibt eine flotte und brüllend-komische Gesellschaftsschelte, in der es vor allem um Medienhype, schnellen Ruhm und Geld geht. Doch genauso schnell, wie ein Stern geboren wird, verschwindet er auch wieder. Bräsenfelde bleibt Bräsenfelde und ein Waschbär ein Waschbär. Einmal Waschbärmania und zurück – over and out.

Thomas Brussig
Die Verwandelten
Wallstein Verlag, Göttingen 2020

Romantische Musik aus dem 17. Jahrhundert

Die Musen hingegen grüßen von dem fabelhaften Album des Ensemble Correspondances mit der wunderbaren Mezzosopranistin Lucile Richardot. Das Album erschien zwar schon 2018, aber überschüttet mit Auszeichnungen ist es wert, nicht in Vergessenheit zu geraten. Unter der Leitung von Sébastian Daucé präsentieren sie „Ayres and Songs“ aus dem England des 17. Jahrhunderts. Die wunderschönen und stets etwas melancholischen Lieder transportieren einen im Nu 400 Jahre zurück. Fast spürt man das flackernde Kaminfeuer und den sanften Kerzenschein hinter Burgenmauern, wo Lautenspieler die langen Abende verkürzten. „Perpetual Nights“ – unendliche Nächte bescheren dem geneigten Zuhörer unendliche Wonnen.

Perpetual Night (17th Century Ayres and Songs)
Lucile Richardot
Ensemble Correspondances
Leitung: Sébastian Daucé
Harmonia Mundi, 2018

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