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Sonntag, 26. Juli, Doppelfinale der Hamburg Wheelchair Open. Der Regen hat den Zeitplan durcheinandergebracht. Am Abend geht es auf dem Center Court um den Titel: Chasteau und Shuker – eine neue Paarung – gegen das top eingespielte und favorisierte niederländische Duo Bos und de Greef. Nach jedem Punkt ein Zuruf: Shuker, die Britin, auf Französisch; Chasteau, die Französin, auf Englisch. Zwei Sprachen, ein Ziel. Genau das trifft, worum es in der Woche am Rothenbaum geht.

Eine Formel für Spitzenleistung 

Gemeinsame Ziele und Spitzenleistung, oft unter Bedingungen, die von außen kaum sichtbar sind – das erinnert an das Buch »Peak Performer« unserer Autorin und Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner. Gemeinsam mit den Unternehmern Christopher Spall und Christian Grams verdichtet sie darin Spitzenleistung auf eine Formel: Innerer Antrieb, Fähigkeit, Widerstandskraft. Fehlt ein Faktor, wird es schwierig. Am Rothenbaum ließ sie sich letzte Woche beobachten: in jahrelang trainierter Qualität, die sich unter Wettkampfdruck zeigt. 

Ein Meilenstein fürs deutsche Rollstuhltennis 

Erstmals wurde ein internationales Rollstuhltennisturnier parallel zum WTA-Event MSC Hamburg Ladies Open ausgetragen. Ein echtes Combined Event, eine gemeinsame Bühne für Profi- und Parasport. Premier Tier, das größte Damen-Rollstuhltennisturnier Deutschlands. Elf der zwölf Einzelspielerinnen direkt über die Weltrangliste qualifiziert, alle Top 30. „Man kann immer noch Veränderungen herbeiwinken – wie bei diesem historischen Turnier am Rothenbaum“, sagt Niklas Höfken, Sportlicher Leiter der Wheelchair Open. 

Leistungsfreude ohne Bühne 

Wie im ersten Kapitel des Buchs erwähnt wird: Höchstleistung entsteht vor allem aus innerem Antrieb – und nicht durch externe Belohnungen und Anreizsysteme. Kaum ein Sport beweist das so klar wie dieser. Grand Slam bei allen vier großen Turnieren seit Jahren – und trotzdem kaum sichtbar in Deutschland und vielen anderen Ländern. Trainiert wurde trotzdem. Rollstuhltennis erhält so endlich die Bühne, die es verdient hat. Die Anstrengung war immer da. Nur die Anerkennung kommt jetzt erst. 

Lizzy de Greef beim Aufschlag im Doppelfinale der Hamburg Wheelchair Open.

In »Peak Performer« beschreibt Unternehmer Christian Hasler, was für ihn einen Peak Performer ausmacht: jemand, dem es um die Freude an der Sache geht, nicht ums bloße Ergebnis. Jemand, der die eigenen Grenzen testet und verschiebt, neue Wege geht – und damit, nebenbei, die Welt ein Stück besser macht. 

Die Bühne für die Spitzenleistung 

Trainieren lassen sich Antrieb, Fähigkeit und Widerstandskraft auch für sich allein. Sichtbar werden sie erst, wenn es eine Bühne gibt, auf der sie überhaupt gezeigt werden können. Genau die Bühne, die in Deutschland in dieser Woche zum ersten Mal in diesem Ausmaß zur Verfügung stand. Mit jedem Match vor größerem Publikum wird nicht nur die einzelne Spielerin sichtbarer, sondern der ganze Sport – und mit ihm die jahrelange Arbeit, die bis hierher kaum jemand gesehen hat. 

Niklas Höfken spricht dabei nicht als Zuschauer, sondern als einer, der den deutschen Rollstuhltennissport seit Jahren mitgestaltet. „Ein Meilenstein fürs deutsche Rollstuhltennis, dass wir hier sind. Intern, innerhalb der Tenniswelt, aber auch ausstrahlend in die Community von Menschen mit Behinderung. Begegnungen zu schaffen mit Sportler:innen mit und ohne Behinderung“, sagt er. 

Auch die Spielerinnen selbst sehen das so. Noch vor dem Finalwochenende sagte Jinte Bos, sie sei einfach glücklich, auf einer so großen Bühne zeigen zu können, wozu sie in der Lage ist – im Einzel wie im Doppel. Lizzy de Greef betont: wie wichtig es ist, dass Rollstuhltennis überhaupt gemeinsam mit der WTA-Tour auftritt, so wie hier am Rothenbaum. 

Zurück auf den Center Court 

Am Ende setzen sich Bos und de Greef klar durch – verdient, trotz des Widerstands, den ihnen Chasteau und Shuker bis zum letzten Punkt entgegensetzen. Bos und de Greef spielen schon seit ihrer Jugend zusammen, was man in fast jedem Ballwechsel sieht: jede Drehung sitzt, jede Absicherung wirkt eingeübt, kein Zögern zwischen den beiden. Die wenigen leicht durchnässten Zuschauer:innen, die trotz Regen und später Stunde geblieben sind, waren begeistert und klatschten bis zum letzten Punkt. 

Seit Jugendtagen ein Duo: Lizzy de Greef und Jinte Bos nach ihrem Sieg im Doppelfinale.

Eigene Maßstäbe 

Im letzten Kapitel von »Peak Performer« geht es um genau diese Frage: was Erfolg bedeutet, wenn man ihn nicht an fremden Maßstäben misst. Antrieb, Fähigkeit, Widerstandskraft – gezeigt haben das in dieser Woche alle vier Spielerinnen. Für Bos und de Greef ist die Antwort an diesem Abend eindeutig. Für Chasteau und Shuker, die als neu formiertes Duo bis ins Finale kamen, eigentlich genauso. Auf der Anzeigetafel steht ein Duo als Gewinner. Peak Performer sind an diesem Abend aber trotzdem beide Teams. 

Wer einmal hier saß, kommt wieder – und erzählt es weiter. Genau deshalb werden es im nächsten Jahr mehr sein. Nicht, weil die Vermarktung besser wird, sondern weil dieser Sport zu gut ist, um übersehen zu werden. 

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