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Sie haben es heute bestimmt auch schon getan: argumentiert. Vielleicht mit dem Chef, warum Sie kommendes Jahr mehr Gehalt bekommen sollten, oder mit dem Partner, der endlich mal seinen Kleiderschrank ausmisten soll. Falls Sie nicht erfolgreich gewesen sein sollten, muss Sie das nicht beunruhigen – denn einen Königsweg, wie wir unsere Argumente sinnvoll einsetzen, um das zu erreichen, was uns vorschwebt, gibt es nicht. Der Weg zum erfolgreichen Argument hängt nicht nur von unserem rhetorischen Geschick ab, sondern auch davon, wie genau wir es bei unseren Argumenten mit der Wahrheit nehmen. „Schlecht argumentieren bedeutet, abzulenken, zu täuschen, logische Ungereimtheiten zu unterschlagen oder an (meist negative) Emotionen statt an die Vernunft zu appellieren“, schreiben Andri und Gieri Hinnen in ihrem Buch „Reframe it!“, das dabei helfen soll, komplexe Probleme zu meistern. Tatsächlich ist Argumentieren an sich schon eine ziemlich komplexe Angelegenheit – und die Unterscheidung von guten und schlechten Argumenten ebenso.

Gut gegen Schlecht – auch bei Argumenten

Gut und Schlecht sind Kategorien, die wir oft nutzen, um Gefallen oder Missfallen auszurücken: eine Jeans kann mit dunkler Waschung gut aussehen, mit heller Waschung aber schlecht –zumindest empfinden wir das so. Und damit sind wir auch schon beim Problem: Attribuierungen wie „gut“ und „schlecht“ trennt oft nur unsere eigene Perspektive, sind meist Geschmackssache. Denken wir einmal an die typischen Filme, in denen Gut gegen Böse kämpft – Luke Skywalker ist der Gute, Darth Vader der Böse. Harry Potter gut, Voldemort böse. Aber: Die Todesser würden das anders sehen, ebenso die Sith. Ihre Perspektive ist eine andere, sie stehen auf der anderen Seite. Genauso verhält es sich in der Kommunikation mit Argumenten: Es gibt gute Argumente und schlechte Argumente. Argumente, die die Gegenseite verunsichern sollen, mögen von außen als schlecht wahrgenommen werden, für den, der verunsichert, ist es natürlich ein gutes, weil zielführendes Argument.

Gute und schlechte Argumente – Fakten machen den Unterschied

Können wir Argumente also überhaupt sinnvoll in gut und schlecht unterscheiden? Wir können es zumindest versuchen und uns dabei auf das berufen, was als „common sense“, also als gesunder Menschenverstand in einer aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft gilt. Dazu gehört beispielsweise, mit Fakten zu argumentieren – statt mit gefühlten Wahrheiten, Annahmen oder Hörensagen. Nun ist nicht erst seit der Debatte um Fake News die Frage, was verlässliche Fakten sind. Im Journalismus gilt das Prinzip, dass zwei unterschiedliche Quellen eine Sache belegen müssen, um sie als verifiziert gelten zu lassen. Das lässt sich auch für den privaten Nutzer anwenden: Wer etwa im Facebook-Feed über eine Überschrift oder einen Beitrag stolpert, der unglaubwürdig klingt, sollte zunächst schauen: Wer ist der Absender? Vertraue ich dem? Handelt es sich vielleicht um Satire, die sehr realistisch klingt? Lässt sich die Meldung bei anderen, seriösen Medien wiederfinden? Diese Verifikationsschritte sollte der Privatanwender idealerweise vor dem Teilen eines Beitrags anwenden, um keine Falschmeldungen weiterzuverbreiten – sondern Fakten und gute Argumente.

Gute Argumente nehmen Relationen in den Blick

Ein gutes Argument behält auch immer die Relation im Blick – und übertreibt nicht unnötig. Erinnern Sie sich etwa noch an die Debatte um die „Ehe für alle“ in Deutschland? Eines der Argumente der Gegner war, die „Ehe für alle“ würde nur eine Minderheit betreffen und müsse nicht so breit diskutiert werden. Wie groß die Anzahl der Homo- und Bisexuellen in Deutschland ist, lässt sich schwer beziffern – allein schon aus definitorischen Gründen, ob sich die Befragten als Teil der LGBT-Community wahrnehmen. Aber rechnen wir mit den 7,4 Prozent LGBT-Anteil, den Deutschland einer Umfrage zufolge im Jahr 2016 hatte. Bei rund 82,8 Millionen in Deutschland lebender Menschen macht das rund 6,13 Millionen deutsche LGBT. Allein Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, Hamburg rund 1,8 Millionen. Die Debatte um die „Ehe für alle“ bedeutet also: Vor der Gesetzesänderung durfte – in Relation gesetzt – mehr als die komplette Bevölkerung von Berlin und Hamburg nicht heiraten. Das mag zwar immer noch eine Minderheit verglichen mit der deutschen Gesamtbevölkerung sein, aber schon eine ziemlich große, die man wohl kaum aufgrund eines anderen Grundes – wie etwa der Haarfarbe oder eben des Wohnorts – von der Möglichkeit zur Heirat ausgeschlossen hätte.

Die Autoren Andri und Gieri Hinnen nennen in ihrem Buch „Reframe it!“ eine weitere Variante des schlechten Arguments: „Aufgrund einer kleinen Stichprobe eine Generalisierung vornehmen, die statistisch unzulässig ist“. Als Beispiel für ein darauf basierendes schlechtes Argument bringen sie dieses: „Drei Ausländer haben eine Frau vergewaltigt. Alle Ausländer sind Vergewaltiger!“ Hier wird bewusst von Einzelfällen aufs große Ganze geschlossen – ohne, dass eine statistisch signifikante Stichprobe vorlag. Das wäre in etwa so als würden Sie aufgrund der gesprochenen Sprache in Ihrem Büro auf die Verteilung der Sprachen in der Weltbevölkerung schließen.

Fakten statt Emotionen: Argumente auf dem Prüfstand

Und damit sind wir wieder bei den schlechten Argumenten, die bewusst und absichtlich täuschen und verunsichern wollen und deshalb gerne von Populisten genutzt werden. Welche weiteren Formen der schlechten Argumente es dabei gibt, haben die „Reframe it!“-Autoren beispielhaft in diesem Video zusammengefasst:

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Aus diesen Beispielen für schlechte Argumente lässt sich ableiten, was gute Argumente ausmacht: Sie sind faktenorientiert, nutzen adäquate Relationen und spielen nicht mit negativen Gefühlen. Wenn Sie mit solchen guten Argumenten arbeiten, haben Sie natürlich noch keine Sicherheit, Ihr Ziel damit wirklich zu erreichen. Aber zumindest moralisch sind Sie in jedem Fall der Sieger.

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