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Die Kulturtipps im Oktober führen literarisch ins Wien der Nachkriegszeit, mit den Allerkleinsten ins Theater und musikalisch in die Klangweiten des Pianos.

 

Nachkriegs-Wien als düsterer Krimi

„Internationale Zone“ von Milo Dor und Reinhard Federmann zeigt Wien fern aller Walzerromantik, Sachertortenklischees und Touristenpostkarten. Der Roman führt mitten hinein in die Unübersichtlichkeit der Nachkriegsjahre, in eine von den Alliierten besetzte, zerstörte Stadt, wo der Schwarzmarkt blüht, krumme Geschäfte und der Handel mit Informationen an der Tagesordnung sind. Im Zentrum steht Georges Maine, ein geschickter Kleinganove, der sich mit halb- und illegalen Geschäften durchschlägt. Wer mit wem arbeitet, wer Informant, Agent oder bloß Opportunist ist, bleibt unklar. Bald geht es nicht mehr nur um schnellen Gewinn, sondern um Menschenraub und die Auslieferung vermeintlicher „Feinde der Sowjetunion“. Dor und Federmann erzählen diesen Stoff im Ton des Hard-boiled-Krimis ganz ohne Sentimentalität. Gern hat man niemanden in diesem Roman, was allerdings auch den Reiz ausmacht. Denn der Geruch nach Zigarettenrauch, Alkohol und Trümmerstaub weht durch jede Zeile dieses packenden Wien-Romans, der gleichzeitig ein famoses Stück Zeitgeschichte ist.

Milo Dor / Reinhard Federmann
Internationale Zone
Picus Verlag, Wien 2025

 

Theaterzauber für die Allerkleinsten

Das internationale Kindertheaterfestival FRATZ International bringt seit 2013 Theater für Kinder von null bis sechs Jahren nach Berlin. Initiiert vom Theater o.N., hat sich das Festival zu einer bedeutenden europäischen Plattform für künstlerisch anspruchsvolles Theater für junges Publikum entwickelt, indem es seine kleinsten Besucherinnen und Besucher ernstnimmt. Kinder kommen, wie die künstlerische Leiterin Dagmar Domrös betont, ohne feste Erwartungen ins Theater. Sie folgen keinen kulturellen Regeln, sondern reagieren offen, unmittelbar und neugierig auf das, was vor ihnen geschieht. Genau darin liegt aber auch die besondere Herausforderung für die ausgewählten Produktionen: Sie müssen nicht nur verständlich, sondern sinnlich, mutig und künstlerisch überzeugend sein. In diesem Jahr stehen internationale Arbeiten auf dem Programm, die schwierige Themen zugänglich machen. Die mexikanische Performance „Bosque“ und das niederländische Stück „Shelter“, das Wohnungslosigkeit für Dreijährige thematisiert, gehören ebenso dazu wie der schwedische Gegenwartszirkus „ABC – A Painter’s Alphabet“. Mit „BÄÄÄM“ gibt es ein Angebot für taube und hörende Kinder, während „The Sticky Dance“ ausdrücklich neurodivergente Kinder anspricht.

FRATZ International
Begegnungen | Symposium | Festival für die Jüngsten
9. – 15. Oktober 2026

 

Wenn das Klavier zum Orchester wird

„Für das Echte gibt es keinen Ersatz“ – bei musikalischen Bearbeitungen stimmt dieser Satz erstaunlich oft nicht. Der in Luxemburg lebende Schweizer Pianist Romain Nosbaum zeigt mit seinem Album „For piano…or not“, wie spannend Transkriptionen sein können: als eigenständige Kunstform mit eigenem Klang und eigener Fantasie.Das Programm seiner aktuellen CD führt von Johann Sebastian Bach bis George Gershwin und macht aus dem Konzertflügel eine klangliche Wunderkammer. Zu hören sind Franz Liszts Klavierbearbeitung von Bachs Präludium und Fuge a-Moll BWV 543, Bachs Bearbeitung eines Oboenkonzerts von Benedetto Marcello, Leonard Borwicks Fassung von Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune, Astor Piazzollas Histoire du Tango sowie zwei von Earl Wild eingerichtete Gershwin-Etüden.Nosbaum verlangt dem Klavier dabei so einiges ab. Wo im Original Orgel, Cembalo, Orchester oder Tango-Ensemble in die Vollen gehen, müssen zehn Finger ganze Klanglandschaften erschaffen. Das Ergebnis ist eine Entdeckungsreise für Klassikliebhaber: klug, kontrastreich und ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass Bearbeitungen dem Original nicht hinterherlaufen müssen.

Romain Nosbaum | Piano
For Piano … Or not?
Ars Produktion 2025

 

 

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