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Soft Skills, also soziale Kompetenzen, sind weit über die Bewerbung und das Vorstellungsgespräch hinaus relevant – sie sind der Kit, der ein Team zusammenhält, und oft der Schlüssel zum Erfolg im Job. Aber: Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Führen ohne Organigramm, ortsunabhängiges Arbeiten und der Einzug von Robotern in die Büros sind nur einige der Themen, die derzeit in Unternehmen diskutiert werden. All diese Herausforderungen brauchen nicht nur Hard Skills, sondern auch Soft Skills zur Bewältigung.

Soft Skills – Das sagen die Zahlen

Wenn sich die Arbeitswelt ändert und es neue Herausforderungen gibt, könnte man davon ausgehen, dass sich auch die erforderlichen Soft Skills ändern müssen. In diese Richtung weist auch eine LinkedIn-Studie aus dem Jahr 2017, die untersuchte, auf welche Soft Skills es gegenwärtig ankommt und wie sich das Ganze in zehn Jahren verändert haben könnte. Dabei zeigen sich sehr stärke Verschiebungen schon auf den ersten drei Plätzen: So zählen im Status quo zu den wichtigsten Fähigkeiten Kritikfähigkeit (76 Prozent), Entscheidungsstärke (74 Prozent) und Verhandlungsführung (73 Prozent). In zehn Jahren hingegen sollen funktionsübergreifende Kompetenzen (82 Prozent), Verhandlungsführung (79 Prozent) und Mitarbeiterführung (76 Prozent) die wichtigsten Soft Skills sein.

Vorsicht vor Soft-Skill-Bullshit-Bingo!

Wer nun aber in seinen XING- und LinkedIn-Profilen die als zukunftsweisend identifizierten Soft Skills pauschal zu seinen vorhandenen Fähigkeiten hinzufügen möchte, dem rät Managementberater Stefan Kaduk, Co-Autor von „Musterbrecher“, zur Vorsicht. Er empfiehlt stattdessen, „konsenstaugliche Plastikwörter mit Leben“ zu füllen. „Beliebig in das Vokabelheft der sozial erwünschten Eigenschaften hineinzugreifen halte ich für völlig unergiebig, solange man diese Begriffe nicht ergründet und interpretiert.“ Also: Soft-Skill-Bullshit-Bingo ist die falsche Antwort auf veränderte Anforderungen im Job, vielmehr sollten auch die Soft Skills – wie die Hard Skills – entwickelt werden.

Auch die Business-Vordenker und „Zündstoff für Andersdenker“-Autoren Anja Förster und Peter Kreuz halten sich nicht an die üblichen Schlagwörter, wenn sie die für sie sowohl heute als auch in Zukunft wichtigsten drei Soft Skills beschreiben. Für sie kommt es auf provokative Kompetenz, Connecting the dots und die Fähigkeit, von Niederlagen und Misserfolgen zu lernen, an.

Die neuen Soft Skills

„Mit provokativer Kompetenz meinen wir die Fähigkeit, die Diskrepanz und Dissonanz zu erzeugen, die Menschen dazu veranlasst, sich von gewohnten Positionen und repetitiven Mustern zu entfernen“, so das Bestsellerduo Förster und Kreuz. Kompetent allein im Job zu sein, sei also okay, mehr aber auch nicht. Es brauche eine gewisse Portion Feuer, also Provokation, zusammen mit anderen wichtigen Eigenschaften: „Es geht also darum, die Dualität anzunehmen: Kompetent zu sein – gründlich, geschäftsorientiert, verantwortungsbewusst. Und gleichzeitig provokativ – herausfordernd, hinterfragend, überraschend, kreativ.“

Und was meinen die Business-Experten mit Connecting the dots, also ins Deutsche übersetzt die Fähigkeit, einzelne Punkte miteinander zu verbinden? „Dieser Gedanke ist in unseren Augen eines der entscheidenden Grundprinzipien für die Entwicklung wirklich spannender neuer Ideen. Denn Neues entsteht erst, wenn Verbindungen zwischen Gebieten geschaffen werden, die so nicht vorgesehen waren und die kaum jemand erkennt“, erklären Anja Förster und Peter Kreuz.

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Mit der Fähigkeit, von Niederlagen und Misserfolgen zu lernen, so die Business-Experten, trage man einer disruptiven Zeit Rechnung, da in vielen Feldern von Wirtschaft und Gesellschaft die Patentrezepte für sicheren Erfolg fehlten. „Alles verändert sich einfach zu schnell und zu unvorhergesehen. Und das heißt: Wir können oft gar nicht wissen, was richtig und was falsch ist. Dennoch müssen wir irgendetwas tun“, so die „Zündstoff für Andersdenker“-Autoren.

Aus dieser Not eine Tugend zu machen, ins Ausprobieren und Versuchen zu kommen, ist laut der Business-Vordenker empfehlenswert, denn: „In Wahrheit ist die blutige Nase, die wir uns holen, oder der Fehlschlag, den wir verkraften müssen, gar kein Fehler im eigentlichen Sinn, sondern ein misslungenes Experiment, ein gescheiterter Versuch, ein fehlgeschlagener Test, der dazu dient, herauszufinden, dass eine Hypothese falsch ist.“ Das sieht auch „Musterbrecher“-Co-Autor Dirk Osmetz so und ergänzt: „Seit wir 2001 das universitäre Forschungsprojekt Musterbrecher gestartet haben, wurde uns im Laufe der Zeit immer klarer, dass Experimente die intelligenteren Projekte sind – wenn es um die sogenannten weichen Themen geht.“