Als größter Sachbuch-Influencer Deutschlands hat Tobias Milbrandt eine klare Mission: Menschen zum Lesen bringen. Gemeinsam mit Hans Neubert, unserem Autor von »The Social Media Faktor«, gründet er jetzt einen Sachbuch-Club. Im Interview spricht er über die Idee hinter dem Buchclub, den Aufbau einer Community und darüber, warum Bücher erlebbarer werden müssen.
Was ist die Idee hinter eurem Buchclub?
Es gibt sehr viele Buchclubs, aber die meisten drehen sich um belletristische Titel. Der Sachbuch- oder Businessbuch-Aspekt kommt dort eher selten vor, und genau deshalb haben wir uns für den Namen „Business Book Club“ entschieden. Auch im Konzept wollten wir uns abheben: Über ein monatliches Abo erhalten die Mitglieder das Buch des Monats direkt in den Briefkasten. Zusätzlich gibt es eine Community auf WhatsApp, in der sie sich austauschen können.
Wir wollen einen Ort schaffen, an dem man auf Menschen mit denselben Interessen trifft und so ein ganz anderes Niveau von Austausch entsteht. Zum Ende jedes Monats gibt es außerdem einen Q&A-Call mit dem Autor oder der Autorin. Die Mitglieder sehen, wie die anderen von ihren Lesefortschritten berichten, und denken sich: „Bald ist der Call, bis dahin will ich das Buch fertig haben.“ Das wirkt wie ein Commitment, und durch die Gruppendynamik liest man das Buch dann auch wirklich.
Bleibt der Austausch online, oder wird es auch Live-Veranstaltungen geben?
Ja, ab einer gewissen Größe planen wir, auch offline zu gehen und Events vor Ort zu veranstalten. Wir beobachten nämlich, dass bei vielen Menschen die Sehnsucht nach echtem Austausch wächst, und dafür wollen wir einen Ort schaffen. Denkbar sind dabei unterschiedliche Veranstaltungsorte, vielleicht auch in Kooperation mit einer Bibliothek oder einer Buchhandlung.
Die Motivation des Buchclubs und auch die deines persönlichen Werdegangs ist die gleiche: Leute zum Lesen bringen. Was begeistert dich am Lesen?
Lesen ist eine Art Training. Solange einen die Themen interessieren und man Lust darauf hat, ist es egal, was man liest. Ich habe für mich gemerkt, dass ich Sachbücher und Biografien sehr gerne mag, außerdem Romane, die in der Gegenwart spielen. Wer mir auf Instagram folgt, kommt bestimmt immer wieder ins Nachdenken: Sollte ich abends nicht vielleicht doch mal lesen, statt mir drei Stunden lang irgendeine neue Serie reinzuziehen?
Was ich in diesem Zusammenhang immer wieder beobachte: Alle haben ein etwas verschrobenes Verhältnis zum Lesen. Da ist es schon etwas wert, wenn die Leute überhaupt darüber nachdenken. Gerade weil ich zwei Kinder habe, schaue ich auch, wie man als Elternteil gut vorangehen kann. Und ich freue mich natürlich, dass gerade der Große eher sagt: „Papa, leg doch mal bitte dein Buch weg“, statt: „Leg doch mal dein Handy weg.“
Wie siehst du die generellen Trends auf dem Buchmarkt? Wie wichtig wird es sein, solche Communities aufzubauen?
Für alle Generationen, die jetzt nachkommen, sollten Bücher in meinen Augen erlebbarer gemacht werden. Es gab dieses Jahr zum Beispiel das Book Bash Festival für Romance und New Adult. Deutschlands erstes Open-Air-Festival für die Buch-Community. Die Idee dahinter: Festivals laufen gut, man ist draußen, man campt, warum also nicht auch im Buchkosmos? Das zeigt, dass es erste Ideen gibt, die funktionieren.
Klassische Lesungen wird es auch weiterhin geben, aber eben auch interaktivere Formate. Bei meinen Lesungen wird eigentlich kaum gelesen. Das ist eher eine Art Live-Talk, bei dem man zwischendurch mal einen Abschnitt vorliest. Und ich glaube schon: Je emotionaler das Thema Buch erlebt wird, desto besser funktioniert es auch dauerhaft.
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Foto: tobiasmilbrandt.de



