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Eine bemerkenswerte These zieht gerade viel Aufmerksamkeit auf sich: der technologische, wirtschaftliche und kulturelle Wandel, der mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz einhergeht, fordert uns stärker denn je heraus, darüber nachzudenken, welche menschlichen Fähigkeiten denn unersetzlich menschliche sind. Diese Übung der Selbsteinschätzung vollzieht sich in Auseinandersetzung mit einer Technologie, deren Innovationsgeschwindigkeit dauernd zunimmt und damit in ihren Auswirkungen auf uns schwer einschätzbar ist. Wir kennen das aus den laufenden Diskussionen zur Zukunft der KI: Aus Denken wird Spekulation, denn der Selbsteinschätzung über unsere Menschlichkeit, Personalität und Individualität fehlt das greifbare Gegenüber. Mensch und Maschine korrelieren in vielerlei Hinsicht nicht, eine Asymmetrie, die uns auch in Zukunft noch viel beschäftigen wird. Was tun?  

Aus der Not eine Tugend macht unser Autor Ingo Hamm in seinem neuen Buch »Abenteuer: Kommunikation!« und geht auf eine weniger offensichtliche Facette dieser Asymmetrie ein. Er veranschaulicht das anhand eines Beispiels: Ein Gespräch mit einer Führungskraft, die ihm begeistert einen bis aufs Äußerste perfektionierten Prompt zeigte – nur um dann das KI-generierte Paper mit den Worten „Bitte checken, danke“ an seinen Teamkollegen schickte. Hätte er die Prinzipien des Prompts auch nur ansatzweise in der zwischenmenschlichen Kommunikation angewendet. Das Ergebnis wäre vermutlich besser gewesen.  Sein Ansatz des People Prompting ist deshalb ein erfrischender Perspektivwechsel. Wenn wir über den maschineninduzierten Umweg der Technologie unseren kommunikativen Umgang mit Menschen verbessern, löst sich eine Facette der eingangs skizzierten Asymmetrie auf – weil das Verhältnis von Mensch und Maschine nicht mehr als Einbahnstraße verstanden wird.   

Mit einer anderen unverzichtbaren kulturellen Thematik des modernen Menschen beschäftigt sich unsere Autorin Andrea Weichand: Dem handschriftlichen Schreiben. In ihrem »Personal Intelligence Book« entwickelt sie einen Leitfaden zur „Rückeroberung“ individueller Kreativität in eben diesem Zeitalter, wo die Versuchungen zunehmen, für das Memorieren des Gesagten und Gedachten sowie für das Entwickeln neuer Ideen digitale Werkzeuge zu benutzen, die gerne das Ruder übernehmen und für uns das unsortierte Ideenmaterial strukturieren. Die Gefahr, dass wir dadurch unsere Kreativität nicht mehr trainieren, ist groß. Stift und Notizbuch als Begleiter für Selbstdenken und Selbstentwicklung stärken unsere Kompetenzen da, wo die Maschine (noch) nicht hinkommt: Deine, Ihre ganz individuelle Kreativität.

Mich selbst zwingt mein Notizbuch zum aktiven Zuhören. Auch, wenn die Versuchung groß ist, die KI transkribieren zu lassen und sich im Nachgang durch die Aufzeichnungen zu wühlen: am klarsten sehe ich immer dann, wenn ich selbst auf Gesprächsnuancen achte, mir einzelne für mich wichtige Aspekte herausgreife und operationalisiere. Insofern reiht sich das Personal Intelligence Book mit seinem Plädoyer für Stift und Notizbuch nahtlos an Ingo Hamms Aufruf zu präziserer, effizienterer und besserer Kommunikation. 

Beide Bücher berühren mit ihren Themen so auf verschiedene Art und Weise zwei Bereiche, die zu den Kernfunktionen von Verlagen zählen: dem Kommunizieren und dem Schreiben. Insofern sind beide Bücher auch für uns als Unternehmen eine Art Selbstvergewisserung: Welche menschlichen Fähigkeiten sind unersetzlich menschlich? 

Diese Frage werden wir kaum in zwei Büchern beantworten, und sie wird uns noch lange begleiten – sich ihr kontinuierlich aus neuen Blickwinkeln zu stellen wird aber auch in unserem Verlagsprogramm immer wichtiger.  

 

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