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Wirtschaft heute: Gibt es denn gar nichts verlässlich Feststehendes mehr, ist denn alles in dauernder, unkalkulierbarer Bewegung in Wirtschaft und Gesellschaft? Eine Bewegung, die uns nicht flowmäßig mitzieht, sondern auseinanderreist und zu immer mehr Überlastungen und Zerrissenheiten führt? War das denn immer schon so?

Ein Blick auf eine der ältesten Organisationsformen des Wirtschaftens, die Welt der Familienunternehmen, könnte wohltuend therapeutisch wirken. Familienunternehmen! Die galten doch stets als Garant der Verlässlichkeit und Dauerhaftigkeit, als Felsen in der Brandung des Kapitalismus und seiner disruptiven Gewalt, die ethisch blind ist gegenüber den Gewinnern und Verlierern seiner (schumpeterschen) schöpferischen Zerstörung. Die historische Statistik enttäuscht allerdings. Für die erste Generation mag Dauer und Verlässlichkeit noch gelten. Einer aktuellen Studie der KfW zufolge plant aber jede vierte Unternehmerin bzw. jeder vierte Unternehmer nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen eine Stilllegung.  Die Gründe hierfür sind vielfältig und es lohnt sich – auch wenn man nicht einem Familienunternehmen angehört – sehr, diese Gründe mal näher unter die Lupe zu nehmen. Vor allem deshalb, weil zwischen 2026 und 2030 in über 180.000 Familienunternehmen in Deutschland eine Übergabe ansteht und das volkswirtschaftliche Risiko damit enorm ist.

Einer der hervorstechendsten Gründe des Scheiterns liegt in unzureichender Planung der Nachfolge, ein anderer Grund hängt mit der oben skizzierten kapitalistischen Dynamik zusammen. Denn die Mechanismen der schöpferischen Zerstörung bestrafen ein zu langes Festhalten an Altbewährtem: Strategien, Produkten, Organisationsformen oder Märkten. Kurz vor der Übergabe neigen Inhaber auch dazu, Investitionen einzustellen: »Es lohnt sich ja nicht mehr für mich«.

Diesen beiden Gründen entsprechen spezifische Denk- und Handlungsmuster, die wiederum stark von Personen, Gründerpersönlichkeiten oder deren Nachfolgern, geprägt sind. Es menschelt in Familienunternehmen nicht immer zum Guten.

Daher liegt es eigentlich auf der Hand, dass Familienunternehmen nicht nur mit rationalen und funktionalen Managementtechniken auf die Veränderungsdynamiken des Marktgeschehens reagieren sollten, sondern dass emotionale und kulturelle Faktoren eine mitentscheidende Rolle spielen müssten, damit ein wohlgeordnetes Miteinander von Familie und Unternehmen nicht in ein zerreißendes Gegeneinander kippt.

Zwei unserer aktuellen Neuerscheinungen beschäftigen sich aus verschiedenen Perspektiven mit den Überlebens- und Erfolgsstrategien von Familienunternehmen beziehungsweise Familienvermögen. Dabei zeigt Philippe J. Weil in seinem Buch »In guten Händen« welche Verfahren und kulturellen Regeln für Familien hilfreich sind, um die von Emotionen stark geprägten Beziehungen zu stabilisieren.

René Korte und Johanna Ober-Sundermeyer wiederum setzen sich in ihrem Buch »The Adaptive Company« mit der nicht nur für Familienunternehmen dringend einzuübenden Tugend der Anpassungsfähigkeit auseinander. Ich wähle hier bewusst – unsere Autoren mögen mir das gestatten – den Begriff der Tugend, da bei Anpassungsstrategien die kulturellen Aspekte meines Erachtens noch wichtiger sind als die funktionalen.

Beide Bücher zeigen, dass eine anpassungsfähige innere Kultur nicht einfach so entsteht, sondern Ergebnis der richtigen Ausrichtung von Personen und Verfahren ist und damit dringend zum Baukasten zukunftsfähiger Management- und Führungskonzepte gehören sollte. Mögen diese Bücher also den Weg in die Hände von möglichst vielen Unternehmerinnen und Unternehmer finden.

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